“Wir können uns auf den Rechtsstaat nicht verlassen”

25-09-18 08:45:00,

Foto: Gerrit Wustmann

  1. “Wir können uns auf den Rechtsstaat nicht verlassen”

  2. Das große Dilemma von Hambach


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Ein Ortsbesuch im Hambacher Forst

Rund 5.000 Menschen fanden am vergangenen Sonntag den Weg in dem Hambacher Forst. Trotz Kälte und Dauerregen. Schon am Bahnhof des kleinen Ortes Buir, rund einen Kilometer vom Waldrand entfernt, zeigt sich die Vielfalt des Protests gegen die Räumung der Waldbesetzer, gegen die geplante Rodung, gegen den Energiekonzern RWE.

Neben Linken und Anhängern der Öko-Szene spazieren Menschen aller Alters- und Gesellschaftsschichten, Paare, Familien mit Kindern, Spaziergänger mit Hund, Menschen mit Transparenten und ohne. Einige sind skeptisch gegenüber den Aktivisten, andere gegenüber der Polizei.

Sie wollen sich selbst ein Bild machen. Die Stimmung ist durchweg ruhig, friedlich, besonnen – und sehr aufgeschlossen und freundlich. Wildfremde Menschen kommen spontan miteinander ins Gespräch, Lebensmittel werden geteilt, ganze Pakete an Brot, Gemüse, Getränken werden in einem Versorgungszelt der Aktivisten abgegeben.

Mehr als drei Viertel der Deutschen sind gegen die Rodung des Hambacher Forsts – zugleich wurde sie von sämtlichen Parteien in NRW abgesegnet und zuletzt, wenn auch mit dem fadenscheinigen Argument Brandschutz, gerichtlich bestätigt. Wenn es ein Beispiel für die klaffende Lücke zwischen Politik und Bevölkerung gibt, dann ist es hier zu finden.

Foto: Gerrit Wustmann

So überwältigend wie die Solidarität ist, so überwältigend ist auch die krasse Unverhältnismäßigkeit des Polizeieinsatzes angesichts seiner schieren Größe. Schon wenige hundert Meter hinter dem Bahnhof sind Straßen gesperrt, stehen Beamte, Fahrzeuge, vereinzelte Wasserwerfer. Rund um den gesamten Wald spannt sich eine Kette aus Wannen, die an den frequentierten Zugängen Stoßstange an Stoßstange stehen – mit laufenden Motoren.

Einige Besucher äußern ihren Unmut darüber – über die Luftverschmutzung einerseits, über die zusätzliche Verschwendung von Steuergeldern andererseits. Von den Beamten werden sie belächelt. Viele von ihnen sitzen in ihren Fahrzeugen, andere stehen am Wegrand, trinken Kaffee, plaudern – auch mit Besuchern und Demonstranten. Gelegentlich müssen sie aufgebrachte Schreihälse mäßigen, insgesamt aber ist die Stimmungslage ruhig. Von den Szenen der letzten Woche, von beidseitiger Aggression, ist nichts zu sehen.

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