Die Renten-Krise: Europa auf dem Weg zum Armenhaus

Die Renten-Krise: Europa auf dem Weg zum Armenhaus

30-09-18 07:29:00,

Die Uhr tickt: Europa hat ein Problem mit den Renten. (Foto: dpa)

Die Uhr tickt: Europa hat ein Problem mit den Renten. (Foto: dpa)

Die guten Konjunkturdaten des vergangenen Jahres sorgen für einen rosaroten Nebel, der den Blick auf die Realität trübt. Tatsächlich muss sich Europa auf ein Jahrzehnt der Krisen einstellen, die vermeidbar gewesen wären, aber heute vermutlich nur mehr in bescheidenem Umfang korrigiert werden können. Diese Feststellungen klingen wie die Prophezeiungen eines notorischen Pessimisten, hier wird aber nur auf Fakten Bezug genommen, die nachvollziehbar sind.

Ähnlich einem Kraken ersticken gegenwärtig die Kosten der Renten Europa. 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung sind bereits in Pension oder verlassen in Kürze den Arbeitsmarkt und beziehen im Schnitt zwanzig und mehr Jahre Rente: In allen Staaten wird die Höhe der Beiträge zur Sozialversicherung und der Steuern durch die Kosten der Altenversorgung bestimmt. An diesem Zustand kann sich unmittelbar nichts ändern. Die Ansprüche sind gesetzlich abgesichert. Auch sind Rentenkürzungen abzulehnen, da man im Alter kaum ergänzende Einnahmen erschließen kann.

Die Entwicklung der nächsten fünf Jahre ist schon vorgegeben:

In die Renten drängen derzeit und in den kommenden Jahren die geburtenstarken Jahrgänge der Baby-Boomer. Diese Bewegung hat zwei gegensätzliche Konsequenzen:

  • Die Kosten der Renten für die öffentlichen Rentensysteme explodieren, der Druck auf die zahlenden Aktiven steigt. Auf Deutsch übersetzt ­ die Steuern und Sozialbeiträge müssen angehoben werden. Da nicht alles über höhere Abgaben finanziert werden kann, wächst auch der Schuldenberg der Staaten weiter an. Und die Tendenz, Renten zu kürzen steigt.
  • Aber viele Baby-Boomer sind keineswegs arm und verfügen über beträchtliche Reserven, die ihnen zumindest für einige Jahre ein fröhliches Pensionisten-Dasein ermöglichen. Der Konsum der wohlhabenden Jung-Rentner wird viele Unternehmen erfreuen und auch den Blick auf die Tatsachen trüben.
  • Wie immer, kein Vorteil ohne Nachteil: Die Basis für das komfortable Rentner-Leben bilden nicht zuletzt Eigentumswohnungen und Anteile an Wertpapier-Fonds, die die Jungrentner aber zur Geld machen müssen um gut leben zu können. Man muss somit mit einem Preisverfall bei diesen Vermögenswerten rechnen.
  • Hinzu kommt, dass angesichts des Geldbedarfs der Staaten die Zinsen nicht auf Dauer niedrig gehalten werden können, da sonst die Anleger keine Anleihen kaufen. Und die Europäische Zentralbank wird kaum auf Dauer die Staaten finanzieren. Höhere Zinsen freuen zwar die Sparer, lassen aber die Immobilienpreise und die Aktienkurse sinken.

In den kommenden fünf Jahren werden somit die Abgaben,

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