Hauptsache Arbeit? Bullshit-Jobs! – www.NachDenkSeiten.de

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30-09-18 07:21:00,

30. September 2018 um 11:30 Uhr | Verantwortlich:

Hauptsache Arbeit? Bullshit-Jobs!

Veröffentlicht in: Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktpolitik, Neoliberalismus und Monetarismus, Rezensionen

Die neoliberale Umgestaltung der Wirtschaft ist im Kern ineffizient. Der Anthropologe David Graeber greift den Mythos der modernen Arbeit an. Elmar Wigand hat für die NachDenkSeiten Graebers neues Buch „Bullshit-Jobs“ rezensiert.

„Ich habe nie herausgefunden, was Depotbanken eigentlich tun. Ich verstehe, welches Konzept sich mit Depotbanken verbindet, aber ich habe sie immer nur für eine überflüssige weitere Form der Buchführung gehalten. Depotbanken bewahren Begriffe wie Aktien oder Schuldverschreibungen auf. Aber wie machen sie das eigentlich? Können russische Hacker solche Konzepte stehlen? Soweit ich erkennen kann, ist das ganze Depotwesen Bullshit.“

(Bruce, Fondsberater einer Depotbank, in: David Graeber: Bullshit-Jobs, Stuttgart 2018, S. 248)

Der us-amerikanische Anthropologe Graeber, der an der London School of Economics lehrt, ist mit Bullshit-Jobs einem Phänomen auf der Spur, das viele kennen dürften – aus der eigenen Erwerbsbiografie, aus dem Bekanntenkreis oder der erweiterten Familie –, das aber bisher nie als radikale Kritik des Arbeitswerts formuliert wurde.

Dass es sich bei Bullshit-Jobs um ein Massenphänomen mit explosionsartiger Verbreitung handelt, lassen jüngste Zahlen vermuten: Die Krankmeldungen in Deutschland sind zwischen 2008 und 2016 um mehr als 60 Prozent gestiegen. Zu den wichtigsten Ursachen zählte die Bundesregierung auf Anfrage der Linksfraktion im Bundestag “Fehlentwicklungen des Arbeitsalltags”. Hinter Erkrankungen des Muskel-Skelett-Syndroms waren zuvorderst psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen für insgesamt 560 Millionen Krankschreibungen zwischen 2008 und 2016 verantwortlich. Der volkswirtschaftliche Schaden habe im Zeitraum um 75 Prozent zugenommen und im Jahr 2016 75 Mrd. Euro betragen. [1]

Dass Arbeit krank macht, dürfte einfach erklärbar sein durch gesteigerte Arbeitshetze, Flexibilisierung und und Überstunden vor allem im Niedriglohnsektor. Kaum beachtet ist eine massenhafte Zunahme von vergleichsweise gut bezahlten oder gar üppig entlohnten Bullshit-Jobs. Auch sie machen krank. [2]

Was ist ein Bullshit-Job?

Graebers Definition lautet: „Ein Bullshit-Job ist eine Form der bezahlten Anstellung, die so vollkommen sinnlos ist, dass selbst derjenige, der sie ausführt, ihre Existenz nicht rechtfertigen kann, obwohl er sich im Rahmen der Beschäftigungsbedingungen verpflichtet fühlt, so zu tun, als sei dies nicht der Fall.“

Graeber nennt unzählige Beispiele,

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