Der Feiertag – eine gute Gelegenheit, etwas nüchterner auf den Beginn der Bundesrepublik und auf Adenauer zu blicken – www.NachDenkSeiten.de

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03-10-18 06:48:00,

3. Oktober 2018 um 8:19 Uhr | Verantwortlich:

Der Feiertag – eine gute Gelegenheit, etwas nüchterner auf den Beginn der Bundesrepublik und auf Adenauer zu blicken

Veröffentlicht in: Das kritische Tagebuch

Die Mehrzahl der Westdeutschen hat vermutlich mit Glanz in den Augen auf Konrad Adenauer geblickt. Dass dieser die Chance, schon Anfang der Fünfzigerjahre die beiden Teile Deutschlands zu vereinen, missachtete und fahren ließ und dass er zuallererst dem Großen Geld verbunden war, haben wir und unsere Kinder weder in der Schule noch aus den Zeitungen und im Fernsehen erfahren. Werner Rügemer liefert zum „Tag der deutschen Einheit“ mit dem folgenden Text ein Stück der notwendigen Aufklärung über Adenauer, seinen allumfassenden Opportunismus und das Große Geld. Über die verpassten Chancen zulasten unserer „Brüder und Schwestern im Osten“ folgt dann mehr bei nächster Gelegenheit und aus eigener Erfahrung. Albrecht Müller

„Meinetwegen auch Hitler“

Konrad Adenauers politische „Mitte“: Von der deutschen Monarchie zum transatlantischen Kapitalismus

Von Werner Rügemer

Konrad Adenauer hat alle politischen Regime des 20. Jahrhunderts erlebt und mitgeprägt: Die Monarchie (als Spitzenbeamter und Oberbürgermeister der Frontstadt Köln), die Weimarer Republik (u.a. als Präsident des Preußischen Staatsrats), den Nationalsozialismus (durch seine privilegierte Untätigkeit), die unmittelbare Nachkriegszeit (CDU-Gründung) und schließlich die Bundesrepublik (Gründungskanzler). Diese politischen Regime und die Rollen Adenauers sehen sehr unterschiedlich aus, aber sie haben eines gemeinsam: Sie sicherten den Bestand des Kapitalismus in Deutschland und Westeuropa. Es ist aufschlussreich, wie unterschiedlich diese Rollen, subjektiv verortet in der politischen „Mitte“, aussehen können und doch dasselbe Ziel haben. Dabei waren „Deutschland“ und „das deutsche Volk“ für Adenauer immer nationalistische und populistische Parolen – aber das Territorium für das Kapital in Deutschland war nie festgelegt, sondern hatte bewegliche Grenzen. [1]

„Meinetwegen auch Hitler“

Nach seiner Abwahl als Kölner Oberbürgermeister im März 1933 und nach der Regierungsübernahme durch Hitler fand Adenauer Aufnahme im Benediktinerkloster Maria Laach in der Eifel. Dessen Abt, sein Freund Ildefons Herwegen, predigte öffentlich den Segen Gottes auf Hitler herab. Von dort schrieb Adenauer im Juni 1933 an seine Freundin Dora Pferdmenges, Gattin des Gesellschafters der Bank Sal. Oppenheim und Aufsichtsratsmitglied der Dresdner Bank: Meine Partei, das katholische Zentrum, hat versagt, weil es sich „in den letzten Jahren nicht rechtzeitig mit neuem Geiste erfüllt“ hat.

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