Die Medien-Gaukler

Die Medien-Gaukler

04-10-18 07:09:00,

Dass die alten Griechen im 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung einst erfanden, was wir heute Demokratie nennen – jeder volljährige Bürger hat eine Stimme, das Staatsvolk trifft mittels freier Wahlen seine am Gemeinwohl orientierten Entscheidungen und die Minderheit beugt sich dem Willen der Mehrheit – entspricht nur sehr bedingt der historischen Realität. Stimmberechtigt waren in Athen nur die „freien Männer“, die etwa 10 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachten.

Nur so konnte man davon ausgehen, dass halbwegs verantwortungsvoll und informiert im Sinne des Gemeinwohls entschieden würde, denn wer keine Ahnung hat, worum es überhaupt geht, wählt ja immer nur seinen persönlichen Vorteil, also das Falsche. Nicht gemeint war daher von Anfang an: Jede/r wählt mit. Dieses Szenario kannten die Griechen nur als Alptraum unter dem Begriff „Ochlokratie“ – also „Herrschaft des Pöbels“.

Doch auch dem reduzierten demos der Wahlberechtigten war nicht wirklich zu trauen: „Die Masse ist in ihren Auffassungen unstet und wetterwendisch, für ihre Fehlleistungen macht sie andere verantwortlich“, befand der Historiker Thukydides, der aber gleichzeitig auch die persönlichen Schwächen politischer Herrscher sah, deren Handeln vor allem durch „Verlangen nach Macht, um Herrschsucht und Ehrgeiz zu befriedigen“ geleitet würde. Als ideal sah Thukydides deshalb eine Regierungsform an, die beide Schwachpunkte vermeiden könne, wenn sie „dem Namen nach eine Demokratie, in Wirklichkeit die Herrschaft des Ersten Mannes“ sei.

Der Philosoph Aristoteles plädierte dann für eine „Herrschaft der Angesehenen und Besitzenden“, die dafür sorgen müsse, dass weder die Massen noch Tyrannen die Übermacht gewinnen könnten, denn in der Demokratie liege die Gefahr, „dass die Armen, weil sie Mehrheit bildeten, das Vermögen der Reichen unter sich aufteilten“. Und etwa 2000 Jahre später, als anno 1787 in den Vereinigten Staaten die erste Demokratie der Neuzeit gegründet wird, formuliert einer der Väter der Verfassung, James Madison, die Problemlage so: „Die erste Verantwortung der Regierung ist es, die Minderheit der Reichen vor der Mehrheit zu schützen.“

Getauft wurde das Kind, mit dem das Spannungsverhältnis zwischen Volk und Eliten ausbalanciert werden sollte, „repräsentative Demokratie“ und unter diesem Banner segeln heute die meisten Staaten auf der Welt. Sie sind also ganz im Sinne von Thukydides und Aristoteles dem Namen nach Demokratien, de facto aber Oligarchien, die Herrschaft von wenigen Reichen, deren erstes Interesse die Sicherung ihres Eigentums ist.

Dass dieses Eigentum verpflichtet, wie es noch heute in vielen Verfassungen steht,

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