Tagesdosis 11.10.2018 – Wir Negativen | KenFM.de

11-10-18 01:07:00,

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Ein Kommentar von Bernhard Loyen.

Die gestrige Tagesdosis schilderte die gegenwärtige Suche, den unbändigen Wunsch ein guter Mensch zu sein, bzw. zu bleiben. Resultierend aus der Tatsache in Zeiten banger Zukunft, gesellschaftlicher Irritationen und genereller Verrohung in den Umgangsformen seinen individuellen Platz zu finden. Zu verteidigen.

Möchte der Mensch, im größeren ganze Gesellschaften, aus gelebten Erfahrungen nicht lernen? Möchte die Menschheit aus kriegerischen Verwüstungen vergangener Jahrhunderte weiterhin keinerlei Erkenntnisse ziehen?

Julia Szarvasy schrieb gestern: In Deutschland hat sich eine zersplitterte Generation von „Gutmenschen“, „besorgten Bürgern“, „Rotgrünversifften“, „Verschwörungstheoretikern“, „Schlafschafen“, „Rattenfängern“, „Bahnhofsklatschern“, „Antisemiten“, „Islamophoben“ und „Rechtspopulisten“ entwickelt. Viele kleine Grüppchen von Menschen, die meinen, für die richtige Sache einzustehen.

Blicken wir zurück in das Jahr 1919. Kurt Tucholsky, kritischer Geist jener Zeit stellte ernüchtert über seine Mitbürger damals fest: Pathos tuts nicht und Spott nicht und Tadel nicht und sachliche Kritik nicht. Sie wollen nicht hören, es scheint aussichtslos. Wir kämpfen hier gegen das innerste Mark des Volkes und das geht nicht. Der erste Weltkrieg 1914 – 1918 war noch jüngste Geschichte, aber das Volk nach gemeinsamem Leid schon wieder zerstritten.

Eine weitere Parallele zur Gegenwart: das Verhalten der regierenden Politik, am Beispiel SPD und ihrer Wurzeln. Zitat Tucholksky aus dem Jahre 1919: Es ist ein Unglück, daß die SPD seit 1914 Sozialdemokratische Partei Deutschlands heißt. Hieße sie Reformistische Partei oder Partei des kleineren Übels oder Hier können Familien Kaffee Kochen oder so etwas…vielen Arbeitern hätte der neue Name die Augen geöffnet.

Der SPD der Gegenwart verdanken wir Hartz 4, das Jobcenter , Maßnahmen und Behördenwillkür, bekannte Nötigungskultur. Lassen wir Tucholsky entsprechende Verachtung formulieren: Der Beamte. Was haltet ihr von einer Verwaltung, bei der der Angestellte wichtiger ist als die Maßnahmen und die Maßnahme wichtiger als die Sache… Wie knarrte der Apparat und machte sich imponierend breit! Welch Wonne, wenn einer verfügen konnte…Und die Sache selbst ersoff in Verordnungen und Erlassen und der Steuerzahler war wehrlos gegen sein eigenes Werk…Und dazu sollen wir Ja sagen? (Berlin 1920, Die Weltbühne)

Wie schaute es damals mit dem generellen Verhältnis der Machtelite zum Fussvolk aus.

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