Der Verstoßene

12-10-18 10:11:00,

Wenn sich jemand mit Separatismus auskennt, dann ist das der russische Journalist Andrej Babitsky. Ich traf den 1964 geborenen Kriegsreporter im Juli dieses Jahres in Donezk, der Hauptstadt der international nicht anerkannten Volksrepublik Donezk.

Mit Babitsky persönlich zu sprechen, das hatte ich mir schon lange vorgenommen. Im Februar 2000 wären wir uns fast in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny über den Weg gelaufen. Babitsky gehörte damals zu den bekanntesten Tschetschenien-Reportern.

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Von westlichen Medien wurde er wegen seiner kritischen Berichte über die russische Kriegsführung in Tschetschenien mit Lob überhäuft. Doch 2014 wagte der Journalist Widerspruch gegen den westlichen Mainstream. Er rechtfertigte die Vereinigung der Krim mit Russland. Prompt folgte die Kündigung durch seinen Arbeitgeber Radio Liberty. Babitsky siedelte von Prag nach Donezk über und berichtet seitdem für russische Internet-Portale (1) über die „Volksrepublik Donezk“.

Nach Grosny zu fahren war in den 1990er Jahren ein Muss für Russland-Korrespondenten, denn in Tschetschenien entschied sich auch das Schicksal Russlands. Wird das riesige Land in verschiedene Gebiete zerfallen, oder wird es gelingen, den Zerfallsprozess, der schon in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre – also noch zu Sowjetzeiten – begann, zu stoppen?

Neben dem menschlichen Leid über das die Reporter berichteten, war diese strategische Frage das zweite wichtige Thema, das in den Berichten immer mitschwang. Schon damals wurde deutlich, dass der Westen gegenüber dem radikalen Islamismus, der sich zwischen 1996 und 1999 in Tschetschenien massiv entwickelte, beide Augen verschloss. Dabei mehrten sich ab 1998 die Anzeichen, dass radikale Wahhabiten aus arabischen Ländern nach Tschetschenien gingen um von dort aus ein kaukasisches Kalifat aufzubauen. Für Russland, in dem Millionen Muslime wohnen, wurde der radikale Islamismus zur realen Gefahr.

Die deutschen Medien berichteten über den Tschetschenien-Reporter Babitsky, der gute Kontakte zu den radikalen Tschetschenen hatte und diese interviewte, wie über einen Helden. Wladimir Putin hatte Babitsky als „Verräter“ bezeichnet. Nachdem der Journalist von russischen Sicherheitskräften im Januar 2000 gefangen genommen und im Februar gegen drei von einer tschetschenischen Kampfgruppe festgehaltene russische Soldaten ausgetauscht worden war, brachte der Spiegel ein großes Interview mit Babitzky. Russland stand an der Anklagemauer. Die westlichen Medien gefielen sich in ihrer Rolle als Lehrmeister in Sachen Pressefreiheit.

Die Arbeitsbedingungen für Journalisten waren im Tschetschenienkrieg äußerst schwierig. Ich versuchte damals von beiden Seiten zu berichten,

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