“Umgebracht wird, wer stört”

12-10-18 04:48:00,

Oscar Romero. Ausschnitt: Cover Hörbuch

  1. “Umgebracht wird, wer stört”

  2. Blutige Verfolgung der nonkonformen Kirche


  3. Auf einer Seite lesen

Die Geschichte des 1980 ermordeten Salvadorianers Oscar Romero

Vor einem halben Jahrtausend klagte Bartolomé de Las Casas, der als Soldat mit den spanischen Eroberern auf den amerikanischen Kontinent gekommen und später Bischof geworden war: “Ich hinterlasse hier in der Neuen Welt Jesus Christus, unseren Gott, gegeißelt und bedrängt, geohrfeigt und gekreuzigt, und zwar nicht einmal, sondern Tausende von Malen, insofern die Spanier die Indios niedermachen und zerstören und ihnen das Leben vor der Zeit nehmen.”

Die kirchliche Hierarchie in Mittel- und Südamerika galt über Jahrhunderte vor allem als Komplizin der Eroberer und Ausbeuter, der Mächtigen und Besitzenden. Doch im Umbruchsjahr 1968 konnte sich das Zeugnis einer Kirche der Armen auf der Versammlung der lateinamerikanischen Bischöfe in Medellín (Kolumbien) wieder Gehör verschaffen: “Dieses Elend als eine Massenerscheinung ist eine Ungerechtigkeit, die zum Himmel schreit. Ein stummer Schrei bricht aus Millionen Menschen hervor. Sie verlangen Befreiung […]. Und wir hören auch Klagen darüber, dass Hierarchie, Klerus sowie Ordensleute reich und Verbündete der Reichen seien.”

Ein Freund der reichen Wohltäter und der armen Almosenempfänger

Zu den Kritikern der neuen kirchlichen “Option für die Armen” und der Theologie der Befreiung gehörte in El Salvador ein Priester mit Namen Oscar Arnulfo Romero, geboren 1917 als Sohn kleiner Leute. Dieser schöngeistige und konservative Seelsorger hatte in Rom unter den beiden letzten Pius-Päpsten die strenge Schuldogmatik aus dem 19. Jahrhundert studiert. Er empfand die enge kirchliche Liaison mit der Oberschicht noch nicht als Skandal.

Den Reichen sagte er: “Liebt die Armen.” Und zu uns Armen sagte er: “Liebt Gott, denn er weiß schon, warum er euch den letzten Platz in der Reihe gibt, ihr werdet nämlich den Himmel bekommen.” In diesen Himmel, den er uns predigte, würden die Reichen kommen, die Almosen geben, und die Armen, die keinen Streit anfangen …

María Varona

El Salvador war eine der vielen “Fassadendemokratien” Lateinamerikas. In dem vom Militär gestützten System der Reichen setzte die Regierung nichts durch, was den Interessen der kleinen Minderheit von Besitzenden zuwiderlief.

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