Die Geschichtsfälschung

13-10-18 11:34:00,

Das war ein Jubel am 30. September auf der Straße vor Downing Street Nummer zehn, dem Domizil des britischen Regierungschefs Neville Chamberlain. Der distinguierte Herr des Hauses winkte euphorisch der jubelnden Menge draußen vor der Tür zu, und immer wieder hielt er ein Dokument triumphierend in der Hand.

Bei dem Dokument handelte es sich um das so genannte Münchner Abkommen. Am Tag zuvor hatte Chamberlain zusammen mit Italiens Diktator Benito Mussolini, Frankreichs Regierungschef Edouard Daladier und Deutschlands Führer Adolf Hitler eine Vereinbarung unterschrieben, die es Deutschland erlaubte, binnen zehn Tagen nach Vertragsabschluss das zur Tschechoslowakei gehörende, vornehmlich von Deutschen bewohnte Sudetenland zu besetzen. Sämtliche Staatsorgane der Tschechoslowakei hatten sich innerhalb dieser Frist aus dem Sudetenland zurückzuziehen.

Eine große Heldentat sei diese Übereinkunft gewesen. Chamberlain, der bei dem Münchner Deal die Feder führte, habe die Menschheit vor einem schrecklichen neuen Weltkrieg bewahrt. Denn Hitler wollte Krieg um jeden Preis. Der englische Premier habe sozusagen den Käfig ein bisschen aufgemacht und dem brüllenden Ungeheuer Hitler mit weißen Glacéhandschuhen das tschechoslowakische Lamm zum Fraß hingeworfen, um Schlimmeres zu verhüten. Er habe den Moloch besänftigt. Schlimmstenfalls könne man Chamberlain vorwerfen, mit dieser Appeasement-Politik geglaubt zu haben, nun sei der Hunger der Bestie gestillt.

Das ist die amtliche Erzählung, die uns in der Schule, im Fernsehen, auf Online-Lexika immer wieder wie ein Mantra vorgebetet wird. Doch mangelt es dieser Legende an inhaltlicher und logischer Schlüssigkeit.

Wenn man weiß, dass Hitler einen Krieg in Richtung Osten vorhat, ist es dann etwa logisch, ihm den Weg dorthin auch noch durch die Beseitigung des tschechoslowakischen Schutzwalls auf der Südseite des Erzgebirges wesentlich zu erleichtern? Hitler damit die Eroberung der restlichen Tschechoslowakei zu einem Spaziergang zu machen, und ihm zusätzlich die leichte Gelegenheit zu verschaffen, sich die relativ gut ausgestattete Waffenkammer des kleinen hochmodernen Staates anzueignen? Sich dazu obendrein die modernen Rüstungsfabriken von Skoda einzuverleiben?

Und wie kommen Großbritannien und Frankreich, die mit Argusaugen darauf achteten, dass die demokratische Weimarer Republik sich nicht wieder erholen konnte, dazu, dem Faschisten Hitler sämtliche Verstöße gegen das damals bereits geltende Völkerrecht, wie die Remilitarisierung des Rheinlandes, die Wiedereingliederung des Saarlandes sowie den Anschluss Österreichs, durchgehen zu lassen?

Nun, dazu muss man wissen, dass Italien, Frankreich und Großbritannien mit der frisch an die Macht geputschten Hitler-Diktatur bereits am 15.

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