Tagesdosis 22.10.2018 – Arbeiten bis zum Umfallen? Das Renten-Märchen der Marktheiligen | KenFM.de

22-10-18 12:17:00,

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Ein Kommentar von Susan Bonath.

Arbeiten bis zum Umfallen? Mit dem umfassenden Kürzungsprogramm im Zuge der Agenda 2010 senkt die Bundesregierung das Rentenniveau auf unter 45 Prozent und hebt das Eintrittsalter in den Ruhestand schrittweise auf 67 Jahre an. Begleitet von wachsender Altersarmut und ein bisschen nachträglicher SPD-Makulatur ist das Programm noch nicht einmal komplett vollzogen, da rufen erneut die »Markt-Experten« danach, das Rentenalter weiter zu erhöhen. Sonst drohe der Kollaps des Versicherungssystems, tönen sie.

Hintergrund sind neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Jeder sechste Rentner geht danach inzwischen einem Nebenjob nach – Tendenz steigend. Springers Welt weiß natürlich ganz genau warum: Die meisten täten es nicht aus wirtschaftlicher Not. Sie hätten vielmehr einfach Spaß daran, titelte das Blatt.

Einer der Vulgärökonomen, die körperlich schwere Arbeit nur vom Hörensagen kennen und selbst nicht mit Altersarmut kämpfen werden, ist Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Man müsse bis zum Jahr 2050 die Altersgrenze 70 anpeilen. Wer nicht mehr gesund sei, könne ja Erwerbsminderungsrente beantragen, sagte Weidmann zynisch gegenüber dem Handelsblatt.

Auch der Ex-Chef der sogenannten »Wirtschaftsweisen«, Bert Rürup, tauchte 74-jährig aus der Versenkung auf. Der Rheinischen Post erklärte er: »Selbst höhere Zuwanderung kann nicht verhindern, dass in den Jahren 2025 bis 2045 die Erwerbsbevölkerung deutlich zurückgehen und das Wirtschaftswachstum bremsen wird.« Und Rürup setzte auf die Story noch eins drauf: »Nur eine weitere Anhebung des Rentenalters in kleinen Schritten würde die in der Bevölkerungsentwicklung angelegte Wachstumsbremse lockern.«

Untersuchen wir die Realität: Die Arbeiter, vor allem die Niedriglöhner, sollen arbeiten, bis sie in die Kiste fallen, um sich Brot, Butter und Miete leisten zu können. Derweil stecken sich Deutschlands Großaktionäre Milliarden fürs Nichtstun ein. Deutschlands reichste Familie Quandt/Klatten, die sich ihr Vermögen unter anderem durch tödliche Ausbeutung von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen (mit hoher »Fluktuation«) im »dritten Reich« zusammen geraubt hatte, kassiert zum Beispiel drei Millionen Euro – PRO TAG!

So mancher glaubt nun, die wachsende Altersarmut liege, wie der neoliberale Sozialabbau insgesamt, an einer aus unerklärlichen Gründen wachsenden Schicht vermeintlicher Faulpelze. Eingewanderte und Geflüchtete sind, neben Hartz-IV-Beziehern, ganz besonders beliebte Sündenböcke.

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