Das Amazon-Kartell

25-10-18 07:53:00,

Es ist die erste größere Amtshandlung von Kristinn Hrafnsson, seit Julian Assange ihm Ende September 2018 das Amt des Chefredakteurs von Wikileaks übergeben hat. Assange ist zur Zeit durch eine von Ecuador verhängte Kommunikationssperre komplett von der Außenwelt abgeschnitten und konnte deshalb seine Funktion als Chefredakteur der Enthüllungsplattform in den letzten Monaten so gut wie gar nicht ausführen (1). Vermutlich wurden auch deshalb seit Juni keine neuen Dokumente auf Wikileaks veröffentlicht.

Erst seit der Isländer Hrafnsson das redaktionelle Zepter in der Hand hält, finden sich auf der Seite wieder einige neue Publikationen. Eine davon ist besonders brisant: der Amazon Atlas. Darin aufgeführt sind die Standorte von Rechenzentren des amerikanischen Großkonzerns. Diese befinden sich in 15 verschiedenen Städten und 9 verschiedenen Ländern.

Aber warum sollte das politisch brisant sein? Weshalb macht sich Wikileaks die Mühe, so etwas scheinbar triviales zu veröffentlichen? Und warum hielt Amazon viele dieser Standorte bislang geheim?

Die meisten von uns bringen den Namen Amazon vor allem mit dem klassischen Online-Versandhandel in Verbindung; mit dem Verkauf von Büchern, Steckdosen, Kleidung und jeglichem weiteren auf diesem Planeten existierenden Krimskrams. Darum geht es hier nicht. Amazon hat längst unzählige Tochterunternehmen, die sich auf verschiedene Bereiche spezialisiert haben. So auch die 2006 gegründeten AWS – Amazon Web Services –, deren Angebot in der Bereitstellung von Clouds liegt. Häufigste Kunden von AWS sind private Unternehmen. Aber auch Regierungsbehörden beginnen mehr und mehr, mit dem System des sogenannten Cloudcomputing zu arbeiten (2).

Es gibt noch immer Unternehmen, die ihre IT-Infrastruktur – also Anwendungssoftware, Speicherplatz oder Rechenleistung – in einem Rechenzentrum, sprich auf einem Rechner, im jeweiligen Unternehmen lagern. Das wird allerdings immer seltener. Immer häufiger hingegen werden Informationen in sogenannten Clouds gespeichert. Das Unternehmen speichert Daten hierbei auf einem externen Server im Internet, auf den dann alle oder nur die ausgewählten Mitarbeiter zugreifen können. Klingt toll, oder? Nicht ganz.

Die Cloud gehört nämlich nicht dem Unternehmen, sondern dem Cloud-Anbieter, genannt: Provider. In diesem Fall ist das AWS beziehungsweise Amazon. Im Klartext: Während sich Ihre Daten vorher nur auf Ihrem Computer befanden und auch nur dann von anderen gelesen werden konnten, wenn dieser eine Computer gehackt wurde, verlagern Sie ihre Daten jetzt ins allzeit-überwachte Internet und machen sich zusätzlich abhängig von einem der größten transnationalen Konzerne weltweit.

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