Das geraubte Land

26-10-18 04:30:00,

Das Land gehörte Ihnen
von Robert Fisk

Vor einem Vierteljahrhundert sah ich dabei zu, wie sich Israel das Land der palästinensischen Familie Khatib aneignete. Gemeinsam mit einem britischen Filmregisseur filmten wir die Bulldozer dabei, wie sie der Gartenmauer des Hauses von Mohamed und Saida Khatib und deren Sohn immer näher kamen – ihrem kleinen Olivenhain und ihrem Obstgarten mit Feigen, Aprikosen und Mandeln, daneben Saidas alter Hühnerstall.

„Es gehört mir – es gehörte meinem Vater und dem Vater meines Vaters“, sagte mir der verkrüppelte alte Mohamed. „Was erwartet Ihr denn von mir?“ Sein 35-jähriger Sohn, ein Lehrer, wolle vor ein israelisches Gericht gehen, um diesen Diebstahl zu verhindern, sagte er. Die Familie hatte eine Entschädigung abgelehnt. Es war ihr Land.

Der Film, den wir 1993 gedreht haben, Beirut to Bosnia: The Road to Palestine, und den man noch immer auf YouTube ansehen kann, zeigt die herzergreifenden Hoffnungen der Familie, die da in ihrem Obstgarten steht. Channel 4 und Discovery zeigten diese elende Geschichte von Enteignung und Hoffnungslosigkeit in einem Dreiteiler über die Frage, warum Muslime einen Hass auf den Westen entwickelt haben. Regie führte der inzwischen verstorbene Mike Dutfield. Ich denke, wir alle hofften naiverweise, dass wir die Familie mit unseren Filmkameras und unseren Interviews mit Mohamed und Saida sowie mit der Viertelstunde, die wir ihrem Kampf um den Erhalt ihres Landes östlich von Jerusalem widmeten, irgendwie vor dem amtlichen Raub ihres Besitzes würden bewahren können.

Wir hätten es besser wissen müssen. In all den Jahren, in denen sich die jüdische Kolonie Psgat Zeev – benannt nach dem nationalistischen und revisionistischen Zionistenführer Zeev Jabotinksy – im Tal unterhalb des arabischen Dorfes Hizme ausbreitete, habe ich es vielleicht deswegen vorgezogen, nicht zu der Baustelle zurückzukehren, die das Haus und den Garten der palästinensischen Familie umgab. Von der Hauptstraße aus konnte ich noch immer den Weg zum Haus sehen, das Haus selbst jedoch nicht. Da waren zu viele rote Dächer und junge, grüne Bäume und geteerte Straßen und jüdische Siedler. Die Geschichte war zu Ende.

Wir hatten unser Bestes gegeben. Journalismus ist eine flüchtige Tätigkeit. Ich hatte von Kriegen zu berichten, in Afghanistan, Algerien, Bosnien, und die Khatibs waren nicht die einzigen Palästinenser, die ihr Eigentum an Israels gewaltiges Kolonialprojekt in der Westbank verloren hatten.

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