faschismus-2.0

29-10-18 08:55:00,

Weltweite Zunahme von Neonazismus
von Hannah Rosenthal

Als ehemalige Sonderbeauftragte des amerikanischen Außenministeriums für die Überwachung und Bekämpfung von Antisemitismus bin ich nach wie vor besorgt, dass dieses Amt in den letzten 18 Monaten (der Artikel stammt vom 6. August; Anmerkung der Übersetzerin) unbesetzt geblieben ist. Die Abwesenheit eines Sonderbeauftragten macht es umso notwendiger, dass die Medien ihre Rolle bei der Beleuchtung von Ausbrüchen von Gewalt und Antisemitismus wahrnehmen. Aus diesem Grund war ich äußerst alarmiert zu sehen, dass die New York Times in einem kürzlich erschienenen Artikel über die Ukraine eine Neonazi-Gang verharmlost und beschönigt.

Am 20. April dieses Jahres veranstaltete eine Organisation mit dem Namen C14 – die gemäß Radio Free Europe und anderen Medienkanälen Mitglieder hat, die offen Neonazi-Ansichten bekunden – ein entsetzliches Anti-Roma-Pogrom in Kiew. Während der folgenden zwei Monate wüteten vier weitere Pogrome in der Ukraine, darunter eines, bei dem ein Mann brutal getötet und vier andere verletzt wurden. Der Ausbruch von ethnisch motiviertem Hass wurde von der UNO in der Ukraine, vom United States Holocaust Memorial Museum in Washington, D.C., und in einem gemeinsamen Brief von Human Rights Watch, Amnesty International, Front Line Defenders und Freedom House verurteilt. All diese Organisationen verliehen ihrer tiefen Besorgnis sowohl über die Straffreiheit der rechtsextremen Banden als auch über die laxe Reaktion der Regierung Ausdruck.

Am 21. Juli entschied sich die New York Times endlich, über die Situation zu berichten, wobei sie sich vornehmlich auf das erste Pogrom vom 20. April konzentrierte, welches C14 stolz gefilmt hatte.

Der Artikel beginnt mit der Darstellung der Pogrome als „Er-hat-gesagt-sie-hat-gesagt“-Zänkerei zwischen C14 und den Roma:

„Die Roma, die in planengedeckten Lagern und verlassenen Gebäuden in und um die ukrainische Hauptstadt Kiewleben, sagen, sie verdienen ihr Geld auf harmlose Weise, indem sie wilde Blumen pflücken und diese als Sträuße an Verliebte auf den Straßen der Stadt verkaufen.

Doch Mitglieder ukrainischer nationalistischer Gruppen sagen, dass die Roma vielmehr Taschendiebstahl betreiben, Metallschrott klauen, die Stadt durch ihre Anwesenheit beschmutzen und beim Betteln oftmals Lumpen oder Altkleider tragen.“

Von Beginn an werden Angriffe durch Neonazis auf eine ethnische Gruppe als eine Auseinandersetzung dargestellt,

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