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30-10-18 08:02:00,

von Dirk C. Fleck.

Mitte der achtziger Jahre, als die Medienlandschaft aufbrach und die „Privaten“ durchzustarten begannen, hatte ich eine Idee. Die Idee beruhte auf zwei Dingen: zum einen ging im Fernsehen die Zeit der Zwischenmoderation zu Ende, das heißt, es wurden keine Sprecher(innen) mehr bemüht, die den nächsten Beitrag oder Film ankündigten. Zum anderen waren die Videoclips auf dem Vormarsch. Es gab kaum noch einen Song, der nicht in einem Salat aus unzusammenhängenden Bildschnipseln präsentiert wurde.

Meine Idee war also folgende: Warum kein Clip auf Textbasis? Diese sogenannten Literaturclips wären doch als Bindeglied zwischen zwei Fernsehsendungen bestens geeignet. Um den Sendern die Idee schmackhaft zu machen, produzierte ich mit Freunden zwei Demos, ohne eine einzige Mark zu investieren, denn die hatten wir nicht. Der erste Clip beruhte auf Texten von Fernando Pessoa, der zweite auf einem meiner Texte. Drei weitere Videos lagen als Drehbuch vor. Nietzsche, Goethe, Musil. Eben nun fand ich beim Aufräumen in meiner Bibliothek den LC 5, einen Literaturclip nach Texten von Friedrich Nietzsche, den ich folgendermaßen ins Bild setzen wollte:

Standfoto von Nietzsche. Überblendungen mit alten Fotos von den Nubas, den Lakota und anderen Urtraditionen. Stammestänze.

Bundeskanzler Kohl vor dem Bundestag (synchronisiert): Irgendwo gibt es noch Völker und Herden, doch nicht bei uns meine Brüder. Da gibt es Staaten. Staat? Was ist das? Wohlan! Jetzt tut mir die Ohren auf, denn jetzt sage ich euch mein Wort zum Tode der Völker. Staat heißt das kälteste alter kalten Ungeheuer. Kalt lügt es auch. Und diese Lüge kriecht aus seinem Munde: Ich, der Staat, bin das Volk!

Audio: Musik von The Clash (Shepherds Delight)

Kohl: Wo es noch ein Volk gibt, da versteht es den Staat nicht und hasst ihn als bösen Blick und Sünde an Sitten und Rechten.

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