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01-11-18 01:30:00,

Endlos erstrecken sich Mondlandschaften am Niederrhein nahe Köln. Der Energieriese RWE fördert dort seine Braunkohle. Mehr als 3.500 Hektar Urwald sind dem Tagebau bereits zum Opfer gefallen. Nun sollen die letzten 200 Hektar Wald, der Hambacher Forst, den Baggern weichen – trotz geplantem Kohleausstieg. Denn laut einer von der Bundesregierung eingesetzten Kommission soll – und könnte – das letzte Kraftwerk 2038 vom Netz gehen. Doch RWE will in den kommenden 20 Jahren alles herausholen. Es geht um Profite.

Umweltschützer wehren sich seit vielen Jahren gegen die Umweltzerstörung durch den Konzern. Lange blieb der Protest klein. Die Boulevardpresse interessierte das nicht. Und wenn doch, tat sie die Waldbesetzer in ihren Baumhäusern als Spinner ab. Doch nun will RWE ernst machen, den Wald für die Kohle roden, und dies ausgerechnet zu einer Zeit, in der es dank alternativer Energiegewinnung kaum jemandem schlüssig erscheint.

Der Widerstand ist zum Massenprotest angewachsen. Der Hambacher Forst ist zum Symbol des Kampfes gegen Umweltzerstörung und die Übermacht des Kapitals geworden.

Was ist passiert? Nach einem Deal mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung und einer zunächst positiven Gerichtsentscheidung in erster Instanz wollte RWE im Oktober mit dem Abholzen beginnen. Die Aktivisten gerieten in den Focus. Immer mehr Menschen sammelten sich bei Protesten, zu denen sie aufriefen. Während das Land die Baumhäuser von der Polizei räumen und die Erbauer verfolgen ließ. Vor einigen Wochen demonstrierten rund 50.000 Menschen gegen die Rodung – mitten in der Pampa.

Am letzten Oktoberwochenende folgte die nächste Großaktion: Tausende Umweltschützer reisten an, besetzten ein Haus, errichteten ein Camp, durchbrchen Polizeiketten, besetzten einen Bagger, blockierten die Tagebau-Bahn. Auf einem Front-Transparent hieß es: „Kapitalismus ist keine Naturgewalt“. Der Kohleausstieg sei möglich, und zwar sofort. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, steckte „Aufrührer“ in Gefangenen-Sammelstellen. Die Demonstranten nahmen hunderte Anzeigen gegen sich selbst in Kauf.

Derweil ätzte die rechte Presse aus allen Rohren. Focus online titelt beispielsweise: „Kapitalismus-Kritik statt Umweltschutz“. Linksradikale Gruppen würden den Protest für „ihren Kampf gegen das System missbrauchen“, findet das Blatt. Es jammert über besorgte Staatsschützer, warnt vor „Gewaltpotential“ und „Krawalltouristen“. Kein Wort über den Zusammenhang zwischen kapitalistischem Profitstreben und Umweltzerstörung, man weiß die „Law & Order“-Fraktion anzuheizen. Die tobt sich darunter aus.

Immerhin haben auch Focus und Co erkannt: Längst geht es um mehr als das kleine Waldstück. Es geht um nichts weniger,

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