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02-11-18 11:02:00,

Im Juli 2017 hat Rubikon das Filmprojekt um Leslie Franke und Herdolor Lorenz bereits vorgestellt.

Die beiden Filmemacher haben viele Jahre für ARD, ZDF und Arte gearbeitet, bevor sie nach einigen Zensur-Vorfällen ihren Arbeitgebern den Rücken kehrten und ihre crowd-finanzierte Produktionsfirma „KernFilm — Filme von unten“ gründeten. Ihr Anliegen ist, Missstände der heutigen Gesellschaft nicht nur zu dokumentieren, sondern sie im Kern ihres Wesens zu erfassen.

Sie waren mit Filmen wie „Wer rettet wen“ und zuvor „Water makes money“ dem folgenschweren Wirtschaften von Konzernen und Finanzinstituten auf der Spur, die in ihrer bedingungslosen Jagd nach Profit und Rendite — unterstützt von der jeweiligen Regierungspolitik — immer stärker in gesellschaftliches Leben eingreifen. Nun steht der Mensch selbst im Mittelpunkt. Welche Auswirkungen hat ein gesellschaftliches System, das sich dem Ringen um Effizienz allmählich komplett zu unterwerfen scheint, auf die Lebensqualität eines jeden Einzelnen?

Im Laufe der Recherchen erkannte das Filmteam bald, dass sich diese Auswirkungen zwar so gut wie überall zeigen, das Gesundheitssystem jedoch der Bereich ist, in dem ein ausschließlich monetäres Herangehen die schlimmsten Folgen für die Arbeits- und Lebensqualität aller Beteiligten hat.

Ärzte definieren Patienten praktisch nur noch durch ihre Krankheit, die mit einer feststehenden „Fallpauschale“ in einen optimierten Arbeitsablauf eingetaktet wird, der dem Unternehmen „Krankenhaus“ zudem noch Gewinn bringen muss. Krankenhäuser werden nicht mehr von Chefärzten, sondern Wirtschaftsmanagern geleitet und verbuchen alle Komplikationen oder zusätzlichen Bedürfnisse von Patienten als Störgrößen. Ein Teil des Filmprojektes besteht also darin, die Opfer dieses Rendite-Drucks zu dokumentieren, die chronische Überlastung des Personals, das seelische Leiden der Patienten.

Darüber hinaus geht es um eine möglichst klare Argumentationsgrundlage für all jene, die sich für eine Änderung dieser Zustände einsetzen wollen. So muss man erst einmal erkennen, wie verlogen Jens Spahns Zusage zur Schaffung von 13.000 neuen Pflegestellen ist, weil er in dieser Zusage verschweigt, dass es schon jetzt immer schwerer wird, Menschen zu finden, die bereit sind, unter den aktuellen unzumutbaren Bedingungen zu arbeiten. Und dass in den letzten 15 Jahren auch erst einmal 50.000 Stellen gestrichen wurden.

Die Aufgabe eines verantwortungsvollen Bundesgesundheitsministers darf sich nicht nur auf die fragwürdige Zusage von Stellen beschränken. Es geht um die politische Verantwortung für ein menschenwürdiges Gesundheitssystem, das es schon einmal gab, und das seit Jahren der Logik der Kapitalanhäufung geopfert wird.

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