von-der-einfalt-zur-vielfalt

02-11-18 11:03:00,

Seid doch einfach ein bisschen netter zueinander – so soll Aldous Huxley auf die Frage geantwortet haben, wie sich die Welt zum Besseren wenden könne. Das klingt gut und eigentlich ganz einfach.

Ich bin nett, wenn man nett zu mir ist. Wenn man mit mir einer Meinung ist, wenn man mir die Vorfahrt lässt, die Tür aufhält oder etwas Angenehmes sagt. Kein Problem. Aber wehe, man drängelt mich ab, tritt mir auf die Zehen oder vertritt eine andere Meinung als ich!

Wie kann der nur so denken!? Wo hat der denn die Informationen her? Womöglich ist der gar nicht umfassend aufgeklärt. Hat den Schuss nicht gehört. Viel zu einseitig, zu verallgemeinernd, zu radikal, zu angepasst, zu rechts, zu links, zu naiv, zu subjektiv. Ich sehe das ganz anders. Ich informiere mich über die richtigen Quellen. Ich weiß, was richtig ist und was falsch. Ich habe den Überblick.

Der andere sieht das genauso. Nur andersrum. Und so kommt es, dass Menschen, die eigentlich alle dasselbe wollen – friedlich in einer gesunden Umgebung zusammenleben – in die Meinungsschlacht ziehen, aufeinander losgehen und ihre Argumente wie Pfeile aufeinander abschießen. Erbarmungslos wird der Gegner auseinandergenommen. Es wird interpretiert und analysiert, attackiert und gerechtfertigt, beschimpft, zerrissen und in Grund und Boden gestampft, was uns nicht passt. Und dann wundern wir uns darüber, dass diese Welt nicht in den Frieden findet und dass es überall Manipulation, Geringschätzung, Unterdrückung und Zerstörung gibt.

Unsere sozialen Netzwerke und virtuellen Meinungsplattformen sind mit Tretminen verseuchte Landschaften, Krisengebiete, in denen wir uns erbitterte Grabenkämpfe und Scharmützel liefern. Und während wir uns in der Schlacht um die richtige Meinung verausgaben und entzweien, nehmen andere das Steuer in die Hand und lenken die Geschicke unserer Welt dorthin, wo wir nicht hinwollen.

Themen, die die Zwietracht nähren, gibt es genug: von Artensterben über Chemtrails, Impfpflicht, Klimawandel und Krebsbehandlung bis Zuwanderung. Wie eine wildgewordene Meute stürzen wir uns auf die oft gegensätzlichen Informationen und bezichtigen jeden, der in anderen Bahnen denkt als wir, als Verschwörungstheoretiker.

Während wir so abgelenkt sind und uns darüber streiten, ob der ersehnte Wandel nun von innen oder von außen kommt, während wir uns gegenseitig vorwerfen, nicht genug zu demonstrieren oder zu meditieren, während wir die anderen kritisch beäugen, ob sie ihren Müll auch richtig trennen,

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