das-christliche-abendland

09-11-18 08:39:00,

Da sind sie auf die Straße gegangen, die Dresdener Wutbürger, wütend darüber, wie sie vom politischen Establishment abgehängt und von dessen Propagandamedien manipuliert werden.

Aber dieses Establishment hatte seine Eisen in Form einer Rechtsaußen-Verdummungs-Politriege im Feuer. Lutz Bachmann ließ diese Dresdener Wutbürger schnell ins Vereinsregister als PEGIDA eintragen, als „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Schon waren alle Demonstranten vaterländisch-europäische Verteidiger des christlichen Abendlandes gegen den Islam.

Ich schwöre, dass wohl die allermeisten der PEGIDA-Demonstranten keine Vorstellung davon haben, was sie da eigentlich verteidigen. Sie werden nicht wissen, dass „christliches Abendland“ immer ein äußerst dehnbarer ideologischer Kampfbegriff war, um Wut auf erwünschte Gegner abzulenken und zu kanalisieren.

Sie wissen nicht, dass sie sich damit kein bisschen gegen das Establishment auflehnen, sondern im Gegenteil genau die ideologischen Grundlagen dieses Staates verteidigen, von dem sie sich eigentlich verraten fühlen.

1949, also vier Jahre nach dem umfassenden Kollaps des nationalsozialistischen Dritten Reichs beschwor der erste Bundeskanzler Adenauer in seiner ersten Regierungserklärung den Geist christlich-abendländischer Kultur.

Bild

Wahlplakat der CDU von 1946 (1).

Schon drei Jahre vorher, 1946, forderten die inzwischen in der CDU organisierten gewendeten Altnazis: „Rettet die abendländische Kultur … wählt Christlich-Demokratische Union“ (Wahlplakat). Retten vor wem?

Bis 1945 hielt noch der deutsche Mainstream Millionen Europäer für slawische, bolschewistische, jüdisch-marxistische und westlich-liberalistisch-mittelmeerische Minder- bis Untermenschen.

Kurz vor seiner berüchtigten Sportpalastrede im Februar 1943 peitschte Goebbels2 ein, dass der Krieg entweder von Deutschland und Europa gewonnen werde oder aber der „älteste Kulturkontinent“ von der „innerasiatisch-bolschewistischen Welle“ zerstört und vernichtet werde. Also gegen Asiaten und Bolschewisten.

Eine ähnliche Gesinnung offenbarte dann Adenauer (2), wenn er später wiederholt vor dem „russischen Koloss“ warnte. Und die „gelbe Gefahr“ stand ja auch weiterhin im Raum.

Der Kern Europas, des „ältesten Kulturkontinents“, war für die Nazis Großdeutschland, das „Germanische Reich“, das das Abendland in Form einer „europäischen Großraumwirtschaft“ beherrschen sollte.

Hinter dem Kampfbegriff des „christlichen Abendlandes“ beziehungsweise „ältesten Kulturkontinents“ verbarg sich historisch immer ein Kerneuropa, dass sich in alle Richtungen gegen seine Nachbarn abgrenzte: Nach Süden gegen den islamisch gesehenen Orient, das Morgenland; nach Südosten gegen Byzanz und die griechisch-orthodoxe Christenwelt; nach Osten gegen Slawen, Russen und Asiaten und durchgehend nach innen gegen die Juden.

 » Lees verder