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09-11-18 01:06:00,

Aktuell gibt es in Deutschland 57 Millionen Smartphone-Nutzer (1). Das entspricht ungefähr 69 Prozent der Gesamtbevölkerung. Über 430 Millionen Smartphones wurden weltweit allein im vierten Quartal 2016 an Endkunden verkauft (2).

Diese enorme Verbreitung hängt mit einem ebenfalls großen Schwund zusammen: Smartphones werden im Durchschnitt bereits nach rund 20 Monaten gegen ein neues Gerät getauscht (3). Ein solch schneller Wechsel erzeugt eine enorme Nachfrage nach Rohstoffen, ein großes Müllproblem und führt in den Abbauländern zu ökologischen und sozialen Problemen.

Die Bauteile eines Smartphones bestehen aus bis zu 75 verschiedenen chemischen Elementen (4). Und wie bei anderen elektronischen Geräten werden dafür Rohstoffe benötigt, die in Schwellen- und Entwicklungsländern abgebaut werden. Der Bedarf ist hoch, die Nutzungsphase ist kurz und es existieren keine Stoffkreisläufe. Das erzeugt ein starkes Spannungsverhältnis.

Der traurige Spitzenreiter der Produkte, die unter Bedingungen der Sklaverei produziert und in die G20 Staaten importiert werden, sind PCs und Mobiltelefone. Auf Platz zwei und drei folgen Fisch und Kleidung (5).

Wie kommt es dazu? Die Produktion von Smartphones erfordert den Abbau vier seltener sogenannter „Konfliktmineralien“: Coltan, Zinn, Wolfram und Gold. Diese Elemente sind für die Funktion von Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) unerlässlich.

Die Demokratische Republik Kongo (DRK) exportiert alle vier Werkstoffe. Konfliktbehaftet sind diese Mineralien, da der Abbau vor Ort Rebellentruppen finanziert: Bewaffnete Gruppen, die sich seit Jahrzehnten einen blutigen Bürgerkrieg liefern, haben den Bergbau und/oder Teile des Handels mit den Mineralien an sich gerissen. Sie finanzieren mit dem Gewinn von mehreren hundert Millionen US-Dollar pro Jahr Waffen zur Sicherung ihrer Macht und destabilisieren die Region (6).

Der Einfluss der bewaffneten Gruppen auf den Rohstoffhandel und -abbau ist dabei vielschichtig und variiert von Gruppe zu Gruppe: gewaltsame Übernahme von Lagern und den Mienen selbst, Kontrolle der Handelsbeziehungen, Zwangsarbeit, Erpressung von Schutzgeldern, Monopolisierung des Exports (7).

Diese schwierigen Zustände in der DRK erzeugen extreme Probleme für die Zivilbevölkerung: Laut dem UN Flüchtlingshilfswerk liegt die Zahl der registrierten Flüchtlinge aus der DRK bis dato bei einer Dreiviertelmillion Menschen (8). Die Todesopfer des seit zwanzig Jahren tobenden Bürgerkriegs gehen in die Millionen, mehr als 13 Millionen Menschen benötigen aktuell humanitäre Hilfe und viele Millionen sind von Hunger bedroht (9).

Gleichzeitig könnte die DRK die Kornkammer Afrikas sein. Für die Menschen, die freiwillig in den Mienen arbeiten,

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