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09-11-18 11:25:00,

  1. Vorreiter der Unmenschlichkeit

  2. Völkerrechtliche Scheinargumente


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Selten schritt die moralische Gebrechlichkeit des Politischen so rasch voran, wie in diesem Jahr. Eine Polemik gegen die politische Niedertracht der Gegenwart

Der “natürliche Hang zum Bösen”, den Immanuel Kant der menschlichen Natur attestiert, wird dieser Tage wieder einmal mit grellem Scheinwerferlicht ausgeleuchtet. Dabei wirft Kant dem Menschen nicht Bosheit als Gesinnung vor, sondern als “Verkehrtheit des Herzens”. Diese stamme primär daher, dass Menschen nicht stark genug seien, die moralischen Grundsätze zu befolgen. Sie kippen gewissermaßen aus innerer Schwäche oder, wie er es nennt, aus “Gebrechlichkeit” in die böse Haltung.

Migrationspakt-Verweigerer unter sich

Die internationale Phalanx der UN-Migrationspakt-Verweigerer verbindet derzeit Washington mit Budapest und Wien. Weitere nationalistisch argumentierende Regierungen zwischen Rom, Prag und Canberra folgen bereits dicht auf den Fersen. Doch im Unterschied zum 19. und beginnenden 20. Jahrhundert ist der Nationalismus der Gegenwart nicht einmal mehr in Ansätzen von Vernunftursprüngen geprägt. Unübersehbar ist, dass die gegenwärtig überproportional von nationalen Strömungen betroffenen Staaten durch machtpolitische Klüngel, gepaart mit intellektuellem Mittelmaß, beherrscht werden.

Etliche jener Akteure, die zurzeit den Diskurs auf ihren jeweiligen Kontinenten prägen, sind charakterlich zwischen gefährlichen Soziopathen und destruktiven Polit-Darstellern angesiedelt. Doch wie die Geschichte zeigt, haben große Teile der Massen solche Gestalten immer schon geliebt: auf ambivalente Weise zwar, in der Art profanierter Gottesfurcht, als politische Furcht-Liebe, oftmals gemischt mit Xenophobie und Opportunismus.

“White Trash” einst und heute

Nicht nur in den Rust Belt-Gegenden der gegenwärtigen USA, auch in Mitteleuropa existieren Sinusmilieus, vielfach generalisierend als “white trash” bezeichnet, die moralisch immer gebrechlicher werden. Doch nicht nur diesen, auch immer größeren Bevölkerungsgruppen der sogenannten Mittelschicht geht allmählich die Kraft aus. Teils, weil ihre Lebensentwürfe und Perspektiven von den Mühlsteinen der Ökonomie zerrieben wurden, teils, weil auch sie kaum mehr der illiberalen, xenophoben Dauerbeschallung der Populisten standhalten. Oder, in Anlehnung an Theodor W. Adorno formuliert, weil jene Menschen nur noch das von Kommerz, Boulevard und Social Media geprägte Wort als vertraut berührt.

Und auch dieses Phänomen ist seinem Grunde nach nicht neu: Während der Dreißigerjahre des vergangenen Jahrhunderts, am Ende der Weimarer und der sogenannten Ersten Republik Österreichs,

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