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10. November 2018 um 11:45 Uhr | Verantwortlich:

Neoliberales Denken verklebt die Herzen und Hirne

Veröffentlicht in: Interviews, Neoliberalismus und Monetarismus, Wertedebatte

Wird unsere Gesellschaft zunehmend unsolidarischer? Ja, findet die Frankfurter Autorin Heike Leitschuh. Eigene Beobachtungen in ihrem Umfeld, aber auch Nachrichten aus den Medien hat Leitschuh zum Anlass für eine Recherche genommen, um der Frage nachzugehen, wie stark der Egoismus in unserer Gesellschaft verwurzelt ist. Ihr Ergebnis: Viele Bürger denken in erster Linie an sich selbst. Dieses Verhalten, so sieht es die Journalistin, ist vor allem an der neoliberalen Ordnung festzumachen, die in Politik und Gesellschaft seit vielen Jahrzehnten vorherrscht. Und: Politiker, aber auch die sogenannten Eliten, lebten ein negatives Verhalten vor, das dann auch bei den Bürgern zum Vorschein kommt. Ein Interview über eine „Kultur des Miteinanders“, die nicht mehr normal ist, so Leitschuh. Von Marcus Klöckner.

Frau Leitschuh, wie kommen Sie darauf, zum Thema Egoismus in unserer Gesellschaft zu recherchieren?

Seit einigen Jahren sehe ich immer deutlicher, dass sich die Kultur des Miteinanders verändert hat. Gerade im öffentlichen Bereich, also wenn man auf der Straße entlangläuft, in der Bahn fährt, oder auch in den Geschäften: Mir fällt immer wieder eine Ruppigkeit im Umgang miteinander auf, die nicht normal ist. Ich habe mich gefragt: Woher kommt das? Warum können die Menschen nicht etwas respektvoller, freundlicher, rücksichtvoller miteinander sein?

Und, können sie?

Sie können schon. Und auch dafür gibt es Beispiele. Aber gerade die positiven Beispiele wirken wie ein Kontrastmittel, das einem zeigt, wie krass Menschen in der Öffentlichkeit miteinander umgehen.

Gab es einen konkreten Auslöser, der Sie zu dem Thema geführt hat?

Den gab es. In Hessen, wo ich lebe, sollen Rettungsfahrzeuge innerhalb von 10 Minuten bei Patienten oder Unfallopfern sein. Die Rettungskräfte können diese Zeit aber oft nicht einhalten, weil sie immer wieder zu Bagatellfällen gerufen werden.

Das heißt?

Menschen haben offensichtlich keine Hemmungen, einen Rettungswagen für absolute Kleinigkeiten, wie einen Zeckenbiss, einen verletzten Finger, Kopfschmerzen oder ähnliches, zu rufen. Dieses Verhalten führt dazu, dass Rettungskräfte bei wirklich schweren Fällen nicht rechtzeitig ankommen können. Normal wäre es, dass die Patienten, die lediglich eine Kleinigkeit zu beklagen haben,

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