Es ist nicht zu spät

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14-11-18 10:38:00,

Manchem mag es vorkommen wie ein Märchen, wenn ich über meine Hoffnung schreibe, über die Möglichkeiten, die in uns stecken, über die Kraft einer einzigen Flamme in der Dunkelheit und das Licht, das dorthin fließt, wo es dunkel ist. Romantischer Quatsch! In der wirklichen Welt geht es anders zu. Da wird gekämpft und gehungert, gemordet und geplündert, ausgebeutet und dem Erdboden gleichgemacht.

In der Welt da draußen gibt es entsetzliche Verbrechen und himmelschreiendes Leid, so unerträglich und so ungeheuerlich, dass wir meistens nur den Kopf wegdrehen können. Das Monster der Gewalt und des Unrechts ist so mächtig, dass viele, die ihm begegnen, nur ohnmächtig in die Knie sinken können, um sich ihm zu ergeben.

Es mutet wie weltfremder Humbug an, wenn ich mit meinen schönen Bildern komme von einer Flamme, die stärker ist als dieses Monster, und die uns aus der vermeintlichen Ohnmacht befreien kann. Wenn das so ist: Waren dann die in den Konzentrationslagern selber Schuld? Verhungert im Jemen die Bevölkerung, weil die Menschen dort zu schwach sind, um sich aufzurichten und sich ihrer Möglichkeiten bewusst zu werden?

Unsere Geschichte hat immer wieder gezeigt, dass es Menschen gibt, die zu Opfern werden und andere, die sie dazu machen. Es gibt Menschen, die durch ihr Handeln Schuld auf sich laden. Das ist eine Realität. Doch ich habe erfahren, dass es noch eine andere Realität gibt.

Als ich an Krebs erkrankte, habe ich mich geweigert, mich als Opfer meiner Krankheit zu sehen. Von außen gesehen war ich es: Mir passierte etwas Schreckliches, das mich quälte und töten konnte. Aber in mir sah es anders aus. Hier fühlte ich mich als Königin in meinem Reich. Hier entdeckte ich Möglichkeiten, die ich niemals vermutet hätte. Und hier erfuhr ich, dass es zwei Realitäten gibt und dass man sich in der Konfrontation mit dem eigenen Ende innerlich groß, weit und vertrauensvoll fühlen kann.

Im eigenen Leib spürte ich die Veränderungen, die vor sich gehen, wenn ein Problem, so bedrohlich es auch scheint, liebevoll angenommen wird. Mein Körper ist wieder ins Gleichgewicht gekommen. Ich habe ihn nicht bekämpft und nicht bejammert und ich habe mich nicht gleichgültig oder frustriert abgewendet.

Ich habe einen anderen Weg gewählt: Ich habe die Verantwortung für mein Leben übernommen, indem ich zuhörte, was mein Symptom mir zu sagen hatte,

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