Gasfunde im östlichen Mittelmeerraum: Wohlstandsträume mit Konfliktpotential

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18-11-18 04:28:00,

Der östliche Mittelmeerraum: Ausschließliche Wirtschaftszonen, bereits bekannte Erdgasfelder, Militärstützpunkte der USA, Großbritanniens und Russlands. Karte: Bernd Schröder/ QGIS

Erdgasprofiteure in spe, neue Allianzen, explosive Zukunftsaussichten – Teil 2

Zyprisch-ägyptischer Gasrausch und neo-osmanische Regungen in der Türkei

Die Erdgasfunde im östlichen Mittelmeerraum (Die ostmediterrane Gasbonanza) sind im Begriff, die geopolitische Landschaft der Region tiefgreifend zu verändern. Ein zunehmend gefährlicher werdender Konfliktherd schwelt vor der Küste Zyperns. Obwohl die dortige Offshore-Industrie noch keine Förderung vorweisen kann, gab es in letzter Zeit verstärkte Aktivitäten, die die Erschließung der Gasreserven voranbringen sollen. Bisher wurden zwei große Erdgasfelder gefunden: Aphrodite (2011 entdeckt, 200 Milliarden Kubikmeter Erdgas im Feld vermutet) und Calypso (2018 entdeckt, 170 Milliarden Kubikmeter Erdgas).

Die Türkei, die nur die nordtürkisch-zyprische Regierung anerkennt und keine diplomatischen Beziehungen zur international anerkannten zyprischen Regierung unterhält, behauptet, dass ein Teil des zyprischen Offshore-Gebiets der Gerichtsbarkeit türkischer Zyprer oder der Türkei untersteht und dringt darauf, dass alle Inselbewohner etwas von den neu entdeckten Gaslagerstätten haben sollten – einschließlich der türkischen Zyprioten im Norden der Insel.

Zu diesem Zweck verhinderten türkische Kriegsschiffe im Februar 2018 Erkundungsbohrungen des italienischen Mineralölkonzerns Eni. Die Europäische Union hatte umgehend ihre Solidarität mit Zypern bekundet – die EU hatte mit dem Beitritt Zyperns 2004 auch den Konflikt auf der Insel geerbt. Versuche zu dessen Beilegung sind bisher stets gescheitert.

Die US-Amerikaner von ExxonMobil gaben Anfang Oktober 2018 bekannt, ungeachtet der Querelen mit der Türkei noch in diesem Quartal mit Öl- und Gasbohrungen vor der Küste Zyperns zu beginnen. Die Türkei hat wiederholt davor gewarnt.

Ankaras Furor beschränkt sich nicht auf Zypern. Im gleichen Zeitraum geriet auch Ägypten in den türkischen Bannstrahl. Denn das Zusammenrücken beider Länder wird in der Türkei mit Unwillen beobachtet. Die Türken scheinen fest entschlossen, Ägyptens Anspruch als Energiedrehscheibe der Region anzufechten. Kairo hatte erst kürzlich eröffnet, an der geplanten East Med-Pipeline nach Europa mitwirken zu wollen.

Die Türkei erklärte im Februar 2018 eine die Erkundung in der Region möglich machende Übereinkunft über den Grenzverlauf zwischen Ägypten und Zypern für “null und nichtig”. Kairo sieht darin eine Einmischung in die wirtschaftlichen Interessen Ägyptens im östlichen Mittelmeerraum. Die Türkei wiederum erkennt im Vertragswerk eine “Verletzung des türkischen Festlandsockels”.

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