Noam Chomsky: Ein amerikanischer Dissident

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18-11-18 11:56:00,

Roman Berger / 18. Nov 2018 –

Über den amerikanischen Sprach- und Politikwissenschaftler sowie weltweit bekannten Querdenker ist ein neues Buch erschienen.

In meiner Bibliothek stehen mehrere Bücher von Noam Chomsky. Mit dem inzwischen pensionierten Linguistik Professor konnte ich 1979 ein Gespräch führen. Chomsky weckte damals Aufsehen, weil er als «seriöser» Wissenschaftler in die politische Arena stieg und gegen den Vietnam-Krieg protestierte. Chomsky gehörte zu den schärfsten Kritikern «der Techniker des Apparates und der Macht» in den USA. Die «liberale Intelligenz», wie Chomsky die Technokraten nannte, hätte es wirksam verstanden, alle Machtfragen zu sogenannten rein technischen Problemen von Spezialisten und Experten zu reduzieren. Dem Volk, weil nicht spezialisiert, sei es nur erlaubt, bei den Wahlen ein Team von Technokraten durch ein anderes zu ersetzen.

Immer weniger kritische Geister

Als Linguist, Publizist und Aktivist veröffentlichte Chosmky mehr als einhundert Bücher. Bedeutend sind insbesondere seine medientheoretischen Arbeiten wie «Manufacturing Consent: The political Economy of the Mass Media». Dieses Werk hat er zusammen mit dem amerikanischen Medienanalysten Edward S. Hermann publiziert. Leider gehören Menschen wie Noam Chomsky im 21. Jahrhundert zu einer aussterbenden Art. Viele intellektuelle Mitdenker und Gefährten Chomskys sind gestorben, wie etwa der kritische US-Historiker Howard Zinn oder der palästinensische Literaturkritiker Edward Said.

Wer Dissident ist, bestimmt die Gesellschaft

2018 ist ein neues Buch über Noam Chomsky erschienen. Der über 90jährige Chomsky führt ein Gespräch mit dem 1991 geborenen Journalisten Emran Feroz (1). Den Interviewer und Interviewten trennen also Generationen. So ist der Kalte Krieg für Feroz bereits Geschichte, während die gleiche Periode Noam Chomsky zutiefst geprägt hat. Im Gespräch mit Feroz befasst er sich ausführlich mit dem Begriff «Dissident». «Wie Dissidenten wahrgenommen werden, hängt von der Gesellschaft ab», meint Chomsky.

Dazu gibt Chomsky folgendes Beispiel: Zur Zeit des Kalten Krieges war Vaclav Havel wegen seiner Weigerung, sich dem kommunistischen System unterzuordnen, inhaftiert worden. In El Salvador, wo ein heftiger Stellvertreterkrieg zwischen den USA und der Sowjetunion gewütet hatte, waren 1989 sechs führende Intellektuelle – sie hatten dem Orden der Jesuiten angehört – von einer Militärjunta ermordet worden. Das Militärregime war von den USA unterstützt und bewaffnet worden. Chomsky stellt fest: «Menschen wie Vaclav Havel werden zu Recht geehrt,

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