Dr. Ganser: Eine sachliche Kritik

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19-11-18 07:05:00,

19. November 2018

Dr. Daniele Ganser ist der wohl bekannteste NATO-Kritiker der Schweiz und des deutschsprachigen Raums. Von NATO-konformen Medien wird er entsprechend abgelehnt; dabei wird jedoch primär auf Diffamierung, kaum auf Argumentation gesetzt.

Dies hat zwei Gründe: Erstens fehlt es den meisten Journalisten an Argumenten, zweitens aber ist eine öffentliche Diffamierung oft wirkungsvoller als eine inhaltliche Argumentation, die zudem eine prinzipielle Anerkennung des Argumentationspartners bzw. -gegners voraussetzt.

Im Folgenden soll deshalb eine inhaltliche, sachliche Kritik der Kernthesen Dr. Gansers versucht werden. Dabei geht es um seine fünf Kernthesen bezüglich Rohstoffkriegen, 9/11, Stay-Behind-Armeen, Medienkritik, und Pazifismus bzw. UNO-Gewaltverbot.

Dr. Daniele Ganser (2017)

1. Rohstoffkriege

Eine Grundthese Gansers, die selbst von seinen Kritikern bisweilen geteilt wird, besagt, dass die westlichen Kriege der letzten Jahrzehnte primär Rohstoffkriege waren – insbesondere um Öl und Gas – und dass eine Energiewende bzw. die Verwendung erneuerbarer Energien diese Kriege beenden könnte. Diese These erscheint jedoch fragwürdig:

  • Sowohl der Irak als auch Libyen verkauften ihr Öl bereits zuvor hauptsächlich an den Westen. Die irakische Erdölförderung wurde nach der US-Invasion zudem nicht privatisiert, und die libysche Produktion ging durch den Krieg deutlich zurück.
  • Im Afghanistankrieg ging es nicht um Rohstoffe. Am Bau der Erdgaspipeline TAPI von Turkmenistan über Afghanistan und Pakistan nach Indien waren bereits die Taliban interessiert; durch den Krieg wurde sie verzögert, 2019 soll sie in Betrieb gehen.
  • Auch im Syrienkrieg ging es nicht um konkurrierende Erdas-Pipeline-Projekte (siehe hier und hier); die Umsturz- und Kriegspläne gegen Syrien bestanden seit Jahrzehnten und beziehen sich auf dessen Moskau- und Teheran-freundliche Außenpolitik.
  • Im Jugoslawien- und Kosovokrieg fehlte die energiepolitische Motivation ebenfalls.
  • Zudem würden erneuerbare Energien die Rohstoffproblematik nicht lösen, denn erneuerbare Energien, Speichertechnologien und High-Tech-Elektronik benötigen Seltenerdmetalle, die derzeit zu 97% von China gefördert werden, und Konfliktmineralien wie Coltan aus dem Kongo.

Wenn die westlichen bzw. US-Kriege der letzten Jahrzehnte keine Rohstoffkriege waren, was waren sie dann? Es waren geostrategische bzw. imperiale Kriege. Rohstoffreiche Länder werden nicht primär wegen ihrer Rohstoffe angegriffen – aufgrund ihrer Rohstoffe sind sie jedoch unabhängig und einflussreich,

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