“In Indien ist alles vergiftet”

8220in-indien-ist-alles-vergiftet8221

24-11-18 08:59:00,

Inmitten von hochgiftigem Qualm sammeln Menschen Plastik, um es auf dem freien Markt zu verkaufen. Foto: Gilbert Kolonko

  1. “In Indien ist alles vergiftet”

  2. Der Autoverkehr und deutsche Geschäfte


  3. Auf einer Seite lesen

Indiens Verantwortliche und die Weltwirtschaft schreien nach Wirtschaftswachstum – die Folgen für die indische Bevölkerung und die Umwelt sind katastrophal

Vor mir hocken Frauen in Gemüsefeldern und bringen zum Teil singend die Ernte ein. Zu allen Seiten Fischteiche. Im Osten scheint eine Bergkette zu flimmern und macht mich glauben, in Nepal zu sein – wenn da nicht dieser beißende Gestank wäre. Auch in den Gemüsefeldern direkt unterhalb des “Berges” wird dem Auge Himalaya vorgegaukelt.

Auf schmalen Pfaden steigen Lastenträger vom Berg hinab. Der Aufstieg ist unsicher und rutschig wie an einer Gletschermoräne, nur dass hier rotgefärbte Rinnsale unter den Füßen entlang fließen. An der Bergkante angekommen bin ich in einer Science-Fiction. Zwischen Rauchschwaden und kleinen Feuern sammeln menschliche Schatten Plastik aus einem Meer aus Müll, das von Kipp-Lastern ständig neu gefüllt wird. Zwischendrin grasen Kühe im Müll.

Die Gefahr einzubrechen ist die gleiche wie auf einem Gletscher. Täglich fahren knapp 500 Laster 80 Prozent der 3.500 bis 3.700 Tonnen kommunalen Müll Kolkatas auf diesen Berg, dessen “aktiver Teil” sich auf einer Fläche von 24 Hektar erstreckt. 12 Hektar wurden im Jahr 2009 “naturbelassen” stillgelegt.

Das rotgefärbte Sickerwasser, das von der Müllhalde in die umliegenden Felder fließt, enthält extrem hohe Konzentrationen von Chrom, Blei, Kadmium, Kupfer und Zink und verunreinigt das Grundwasser. So wurden in Bodenproben der umliegenden Felder bis zu 800 Milligramm Blei per Kilogramm gemessen.

Kolkatas kilometerlanger Müllberg von weitem. Foto: Gilbert Kolonko

Die etwa 25.000 Menschen, die um die Müllkippe “Dhapa” herum im Osten Kolkatas leben, werden selten älter als 50 Jahre alt. In ihren Dörfern stapelt sich das gesammelte Plastik zu Haufen oder liegt zerschreddert zum Trocknen aus: “Wo soll ich denn sonst hin”, sagt der 35-jährige Gopal, zeigt auf seine notdürftig zusammen gezimmerte Hütte und fügt trotzig hinzu: “Ich bin kein Bettler. Ich habe ein eigenes Haus und verdiene mein eigenes Geld.”

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: