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06-12-18 11:42:00,

Neonicotinoide schaden Bienen: Zuerst waren sie «harmlos», dann wurden sie verboten

Kurt Marti / 06. Dez 2018 –

Kaum sind die alten Bienengifte verboten, stehen schon die Ersatzprodukte in den Startlöchern. Die Geheimniskrämerei geht weiter.

Stets haben die Pestizidkonzerne betont, die drei bienenschädlichen Insektizide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam (sogenannte Neonicotinoide) seien harmlos. Ein drohendes Verbot bekämpften sie bis vor Gericht.

Inzwischen sind die drei Bienengifte in der EU verboten und auch die Schweiz musste nachziehen. Ende Februar 2018 hat die «Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit» (Efsa) das Risiko der drei Neonicotinoide für die Bienen mit neuen Forschungsresultaten untermauert.

Doch bereits sind neue Bienengifte im Anflug. Und auch jetzt betonen die Pestizidkonzerne deren Harmlosigkeit. Eines dieser Gifte ist der Wirkstoff Sulfoxaflor. Beispielsweise Syngenta und DowDuPont/Corteva werben aktuell kräftig für ihre sulfoxaflorhaltigen Pestizidprodukte Visivio beziehungsweise Isoclast active.

Doch so harmlos wie die Pestizidhersteller behaupten, ist Sulfoxaflor nicht: Wissenschaftler der Royal Holloway Universität London haben im August nachgewiesen, dass Sulfoxaflor die Fortpflanzungsfähigkeit von Hummeln verringert. Und auch die Efsa stellte in ihrem Bericht fest, dass für den Wirkstoff Sulfoxaflor im Feldeinsatz «ein hohes Risiko für Bienen» nicht ausgeschlossen wurde.

Dem BLW liegen bereits Gesuche vor

Noch Mitte August konnte man in diversen Schweizer Medien lesen: «In der Schweiz ist Sulfoxaflor bisher nicht zugelassen, wie das Bundesamt für Landwirtschaft BLW auf Anfrage der Agentur Keystone-SDA bestätigte.»

Doch ein Blick in die Pestizidverordnung des Bundes zeigt: Sulfoxaflor steht bereits seit dem 1. Juli 2018 auf der Wirkstoff-Liste. Hingegen im Pflanzenschutzmittelverzeichnis auf der Internetseite des «Bundesamts für Landwirtschaft» (BLW) sucht man Sulfoxaflor vergeblich.

Laut Auskunft von Olivier Félix, BLW-Leiter Fachbereich nachhaltiger Pflanzenschutz, gibt es «in der Schweiz wie in der EU ein doppeltes Verfahren: Genehmigung des Wirkstoffes und Bewilligung der Pflanzenschutzmittel. Die Bedingungen für die Genehmigung des Stoffes waren erfüllt, aber nicht diejenigen für die Bewilligung eines Produktes.»

Die EU-Kommission hat den Wirkstoff Sulfoxaflor bereits 2015 zugelassen (siehe Kasten unten). Die Schweiz ist der EU gefolgt und hat Sulfoxaflor vorausschauend auf zukünftige sulfoxaflorhaltige Pestizidprodukte in die Pestizidverordnung aufgenommen.

In die Liste des BLW-Pflanzenschutzmittelverzeichnisses hingegen wird Sulfoxaflor laut Félix erst aufgenommen,

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