aufstehen-in-der-provinz

06-12-18 09:25:00,

Am 18. Oktober fand in Leisnig, einer Kleinstadt in Sachsen, ein erstes regionales Treffen von #aufstehen statt. Initiiert hatte dieses ein ehemaliger Rechtsanwalt aus der Region. Darin spiegelt sich sehr schön wieder, dass #aufstehen nicht „von oben“ kontrolliert wird, sondern eine Bewegung ist, die von den Bürgern selbst umgesetzt und in tatsächliche Bewegung versetzt werden kann.

Ich wusste nicht, wie viele Menschen sich dort treffen werden oder was mich konkret erwarten wird. Als ich den Raum betrat, war ich erst einmal ziemlich schockiert. Mir war klar, dass es keine Menschenmasse sein wird, die sich versammelt hat, zumal Leisnig und auch meine Heimatstadt Döbeln nicht mehr als 20.000 Einwohner haben – aber dass es nicht mehr als eine Schulklasse war, die dasaß, hatte ich nicht erwartet. Damit einher ging der Schock, dass die „Schulklasse“ fast nur aus Männern Ü60 bestand. Vier Männer unter 60, eine Frau, ebenfalls Rentnerin, und ich mischten uns dazu. Ich fühlte mich ein wenig wie bei einem Stammtisch alter Parteifunktionäre und zunächst nicht besonders wohl – eher ziemlich verloren.

Den ersten Schock konnte ich jedoch bei der Vorstellungsrunde verdauen und ich stellte fest, dass meine Bedenken unbegründet waren und ich mich vom äußeren Eindruck hatte trügen lassen. Die Beteiligten waren zumeist parteiunabhängige, aber regional engagierte und politisch interessierte Bürger. Alle machten sie einen sehr gefestigten Eindruck in ihrer politischen Ausrichtung. Jeder benannte als sein Hauptanliegen, bei #aufstehen mitzumachen, die Sorge um den Frieden, die soziale Ungleichheit und erkannte als Probleme den Neoliberalismus und die repräsentative Demokratie. Die Vorstellungsrunde war ein guter Eisbrecher und sorgte für eine sehr persönliche und familiäre Atmosphäre, auch dadurch, dass wir uns alle auf das „du“ einigten.

Es hat mich aber trotzdem skeptisch gemacht, dass ich erstens nur eine von drei Frauen war, zweitens die einzige Jugendliche/junge Erwachsene und drittens niemand dabei war, der nicht sowieso schon über die Probleme der Welt Bescheid wusste. Ich befürchte, dass #aufstehen nur Menschen einsammelt, die sich in der gleichen Blase bewegen und die bereits bei ähnlichen Aktionen und Organisationen mitwirken. Doch versteht sich #aufstehen ja selbst als eine Art „linke Pegida“. Es sollen die Otto-Durchschnittsbürger angesprochen werden, die spüren, dass die Welt aus den Fugen gerät, die Probleme aber nicht wissenschaftlich benennen und analytisch ergründen können. Es soll die alleinerziehende Pflegekraft, die Rentnerin an der Armutsgrenze,

 » Lees verder