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06-12-18 12:09:00,

Eine verunglückte Broschüre der Amadeu Antonio Stiftung, eine Campact-Aktion gegen „rechte Hasssprache“, die Demo „Unteilbar“, das infame „Zentrum für politische Schönheit“: Aktuell häufen sich kontraproduktive Vorstöße von angeblich „linken“ Initiativen. Von Tobias Riegel.

Eine teils unglücklich formulierte Broschüre der Amadeu Antonio Stiftung (AAS) hat in den letzten Tagen viel Wirbel verursacht. In der Handreichung mit dem Titel „Ene, mene, muh und raus bist du – Ungleichwertigkeit und frühkindliche Pädagogik“ findet sich laut Kritikern unter anderem eine angebliche „Anleitung“, wie Erzieherinnen und Erzieher fremdenfeindliches Gedankengut bei Kindern bereits in der Kita erkennen und bekämpfen können.

Zusätzlich angeheizt wird die Debatte durch die Tatsache, dass die AAS von der Bundesregierung zum einen finanziell gefördert wird – mit angeblich über drei Millionen Euro seit 2010, wie die Bundesregierung auf AfD-Anfrage mitgeteilt haben soll. Zum anderen wird die AAS auch von aktiven Bundespolitikern intensiv beworben. So schreibt Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) im Vorwort der Broschüre: „Wir erleben (…) einen deutlichen Anstieg rechtspopulistischer Bewegungen.“ Deshalb sei es „wichtig, die frühkindliche Bildung demokratisch zu gestalten (…).“ Giffey begrüßt „die Handlungshinweise und Hilfsangebote“ in der Broschüre. Diese Angebote werden dort anhand von Einzelbeispielen erläutert. Diese Einzelfälle werden nun intensiv debattiert, der „Bild“-Zeitung wird dabei vorgeworfen, selektiv zu zitieren, um Stimmung gegen die Broschüre zu machen.

Von “Zöpfen“ und „Kindern aus völkischen Elternhäusern“

In einem Fall etwa werde in der Broschüre erklärt, wie man „Kinder aus völkischen Elternhäusern“ erkennen könne, so „Bild“: „Das Mädchen trägt Kleider und Zöpfe, es wird zu Hause zu Haus- und Handarbeiten angeleitet, der Junge wird stark körperlich gefordert.“ Die AAS empfehle in einem solchen Fall, „die Eltern zum persönlichen Gespräch in die Kita einzuladen“, um ihnen zu erklären, wie „autoritäre und geschlechterstereotype Erziehungsstile die vielfältigen Möglichkeiten von Kindern einschränken“ würden. Ein anderes Beispiel beschreibe eine Mutter und ihre Sorgen um das Bildungsniveau wegen des Zuzugs von Flüchtlingskindern. Hier empfehle die AAS, der Mutter Folgendes zu vermitteln: „Diese Sorgen sind unbegründet.“ Das habe die „Migrationsforschung“ herausgefunden. Sie möge bitte die „Vielfaltspädagogik“ beachten.

Die Broschüre der AAS birgt vor allem zwei Probleme – das eine ist prinzipiell: Es löst immer und zu Recht starkes Widerstreben aus, wenn auch nur der leise Verdacht entsteht, Institutionen der Erziehung könnten sich anmaßen, das Privatleben der Eltern zu überprüfen.

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