serie-zur-novemberrevolution-teil-3

07-12-18 08:32:00,

Vorbemerkung: Wir bringen auf den NachDenkSeiten in drei Teilen einen ausführlichen Text von Winfried Wolf zur Novemberrevolution, zur Bayerischen Räterepublik und zur aktuellen Debatte über diese Ereignisse. Der erste TeilSerie zur Novemberrevolution – Teil 1” hatte drei Ereignisse, die zum Verständnis der Revolution wichtig sind, zum Thema. In Teil 2Serie zur Novemberrevolution – Teil 2“ wurden drei Phasen der Revolution untersucht.

Der hier wiedergegebene Teil 3 geht ein auf die Bayerische Räterepublik, die hierzulande meist besonders verzerrt dargestellt wird.

Im Zeitraum 8.November 1918 bis 2. Mai 1919 standen in dieser noch stark landwirtschaftlich geprägten Region ebenfalls die Räte – und zwar Arbeiterräte und Bauernräte – und damit die Forderungen nach direkter Demokratie im Zentrum. Im Folgenden werden vier Gründe für das Scheitern der Revolution genannt: (1) die fehlende organische Führung bzw. die Zersplitterung der linken Kräfte, (2) die fehlende Ausarbeitung eines Gesamtkonzeptes der Rätedemokratie, (3) das Doppelspiel der SPD-Führung und deren enge Zusammenarbeit mit rechten Kräfte und (4) schließlich die unvorstellbare Brutalität, mit der Freikorps und Reichswehr gegen die Räte und gegen die Zivilbevölkerung vorgingen.

Schließlich warnt Winfried Wolf vor Projekten einer neuen Militarisierung, wie sie von der deutschen Bundeskanzlerin und von dem französischen Präsidenten ausgerechnet im Zusammenhang mit dem Gedenken an das Kriegsende vor 100 Jahren propagiert wurden.

Die Bayerische Räterepublik – Bauernräte inklusive

Die deutsche Revolution 1918-1920 gab es im gesamten deutschen Reich. Reichsweit hatten sich im November 1918 (und danach meist immer wieder aufs Neue) Arbeiterräte herausgebildet, die die lokale und oft die regionale Macht übernahmen. Dies führte zu bemerkenswerten regionalen Verdichtungen des revolutionären Prozesses mit lokalen Besonderheiten und oft mit unglaublich harten Auseinandersetzungen. Im Jahr 1919 (ab Februar) und im Jahr 1920 (ab Ende März) tobte in Deutschland ein umfassender Bürgerkrieg. Als Stichpunkte zu nennen sind hier die Räterepublik Bremen, die Kämpfe um Braunschweig, im Ruhrgebiet, in Sachsen, dann erneut im Ruhrgebiet, in Thüringen, Magdeburg, Chemnitz, im Erzgebirge, im Vogtland (dort, mit der Besonderheit des Kampfs von Max Hoelz, eines neuen Robin Hood.)[1]

Im März 1919 kam es in Berlin zu einem Generalstreik mit den Forderungen nach Demokratisierung des Heeres und Sozialisierung der Wirtschaft, der von allen Arbeiterparteien beschlossen wurde.

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