aus-dem-merkel-mythos-wird-der-akk-mythos-und-der-politische-gegner-spielt-mit

10-12-18 07:27:00,

Die neue CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer müsse jetzt die Partei wieder einen, Gräben überwinden und einen Neustart organisieren … so schrieben es am Wochenende fast alle Leitartikler. Das ist schon ein wenig seltsam, da diese vermeintlichen „Gräben“ auf dem Parteitag der CDU ja höchstens personeller aber keinesfalls inhaltlicher Natur waren. Es scheint vielmehr so, als versuchten Partei und Medien das sorgsam geschaffene aber realitätsferne Image von Angela Merkel nun auf Annegret Kramp-Karrenbauer zu übertragen. Und dies – teils aus Kalkül, teils aus Dummheit – auch mit Hilfe der anderen Parteien. Von Jens Berger.

Es ist schon erstaunlich, was von Vertretern der Medien alles in die neue Parteichefin Kramp-Karrenbauer hineingedeutet wurde. Sie sei eine Mini-Merkel, zwar eine eigenständige Person, aber inhaltlich von der ewigen Kanzlerin doch kaum zu unterscheiden. Von einer Zäsur ist da die Rede und dennoch wird bereits im nächsten Satz die Fortsetzung der Ära Merkel festgestellt. Wenn eine große Partei nach 18 Jahren eine neue Vorsitzende bekommt, ist dies natürlich auch eine Zäsur, das ist schon richtig. Genau so richtig wäre es jedoch zu erwähnen, dass diese Zäsur allenfalls personeller, nicht aber inhaltlicher Natur ist. Denn zwischen die Positionen Merkels und Kramp-Karrenbauers gibt es in der Tat keine großen Unterschieden. Das große Verständnisproblem liegt ja wo ganz anders verortet – die öffentlich vermarkteten Positionen Angela Merkels haben ja nichts mit der realen Politik der Kanzlerin zu tun. Merkel ist keine Klimakanzlerin, sondern eine Autokanzlerin; sie ist nicht für mehr Europa, sondern für eine durch Deutschland dominierte EU; sie ist nicht die „Flüchtlingskanzlerin“, sondern trat stets für eine knallharte Abschottungspolitik ein. Die NachDenkSeiten haben erst vor einem Monat eine ganze Reihe von Mythen für sie zusammengestellt, bei denen Realität und Image einfach nicht zueinander passen.

Das eine ist Polit-PR, also Marketing. Das andere ist die Realität. Man darf natürlich nicht den Denkfehler begehen und nun folgern, Kramp-Karrenbauer würde die Marketing-Positionen inhaltlich vertreten. Das tut sie natürlich nicht. Sie vertritt dafür aber Merkels reale Positionen.Doch darin unterscheidet sie sich auch nur graduell von den Kandidaten Merz und Spahn. Die wählten zwar auf dem Parteitag andere Worte, eine andere Rhetorik und bedienten damit rein marketingtechnisch auch andere Zielgruppen – nennenswerte inhaltliche Differenzen gab es jedoch weder zwischen den drei Kandidaten, noch zwischen den Kandidaten und der scheidenden Vorsitzenden,

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