ein-bot-allein-macht-keine-revolte-und-auch-keine-migrationsdebatte.

10-12-18 07:08:00,

Derzeit macht ein Artikel der „Welt“ die Runde: 28 Prozent der Tweets über den UN-Migrationspakt seien von Bots verfasst worden, schreiben die Autoren nach einer „in Auszügen vorliegenden Studie“. Für die Studie will das Unternehmen Botswatch GmbH 800.000 Tweets zwischen dem 24. November und dem 2. Dezember untersucht haben. Wir erfahren jedoch weder etwas über die Methodik („Was ist ein Bot?“) noch über den tatsächlichen Einfluss von Bots auf die Debatte. Es ist aus Sicht von Kommunikationsforschern schon an sich schwierig, Bots zu erkennen.


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Bei der Erkennung von Bots werden oftmals Kriterien wie „mehr als 50 Tweets am Tag“ angesetzt, die alleine allerdings wenig Aussagekraft haben. Bei der Studie von Botswatch ist die Methodik nicht bekannt, unsere mehrfachen Anfragen an die Firma nach den vollen oder auszugsweisen Studienergebnissen und der zugrundeliegenden Methodik wurden bislang nicht beantwortet.

Der Datenspezialist Luca Hammer hat in einem Thread auf Twitter den Artikel der „Welt“ auseinandergenommen. Bei einer Stichprobe mit dem Bot-Analysetool Hoaxy erkennt er auf dem Hashtag #migrationspakt gerade mal sechs Prozent mögliche Bots, die jedoch keinen Einfluss auf die Debatte haben.

Auch wenn die Autoren des Welt-Artikels durchaus andere Einflussmöglichkeiten beleuchten, lenkt die Debatte um Bots von anderen wichtigen Einflussfaktoren der politischen Debatte auf Twitter ab. Grundsätzlich fallen in politischen Debatten auf dem Dienst verschiedene Typen von Accounts auf, die Einfluss nehmen wollen. Diese sind alle keine automatisierten Accounts:

  1. „Troll-Sockenpuppen“: Hierbei handelt es sich um menschengesteuerte Accounts mit meistens wenigen Followern, die im Diskurs mitmischen, Tweets kommentieren und oftmals direkte Mentions an Personen schicken. Nach unseren Recherchen sind diese Accounts oftmals in anderen Kommunikationstools wie Discord organisiert und springen koordiniert in Debatten ein. Diese Menschen besitzen oftmals eine Vielzahl an Accounts, die sie mit hoher Tweet-Frequenz nutzen. Der Datenspezialist Hammer hat viel zu Trollnetzwerken und rechten Netzwerken auf Twitter geforscht, unter anderem auch für netzpolitik.org. Er hält weniger die Bots für ein Problem als eben manuell gesteuerte Sockenpuppen.
  2. „Fake-Influencer“: Gut geführte Fake-Accounts können einen deutlich größeren Einfluss ausüben als Bots. So stellte sich in den USA heraus,

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