business-as-usual

11-12-18 04:37:00,

Washingtons Regime-Change-Strategie für Venezuela
von Garry Leech

Für jene, die die Ereignisse in Venezuela in den vergangenen Jahren aufmerksam verfolgt haben, drängt sich ein deutliches Gefühl von Déjà-vu auf angesichts der US-Außenpolitik gegenüber dieser südamerikanischen Nation.

Das rührt daher, dass Washingtons Strategie des Regimewechsels in Venezuela fast identisch mit dem Ansatz ist, den es bei zahlreichen Gelegenheiten seit dem Zweiten Weltkrieg verfolgt hat. Diese Strategie beinhaltet die Anwendung wirtschaftlicher Sanktionen, umfangreiche Unterstützung der Opposition sowie destabilisierende Maßnahmen, die ein ausreichendes Maß an menschlichem Leid und Chaos verursachen, um einen Militärputsch oder eine direkte militärische Intervention durch die USA zu rechtfertigen. Da diese Strategie für die USA mehr als ein halbes Jahrhundert lang so gut funktioniert hat, sehen unsere gewählten führenden Politiker keinen Grund, sie gegenüber Venezuela nicht anzuwenden. Mit anderen Worten: In den Augen Washingtons geht mit seiner Regimewechsel-Politik gegenüber Venezuela in Lateinamerika alles seinen gewohnten Gang.

Ungeachtet der US-Rhetorik nimmt diese Regimewechsel-Strategie keine Rücksicht darauf, ob eine Regierung demokratisch gewählt wurde oder welche menschenrechtlichen Konsequenzen solche Einmischungen nach sich ziehen. Tatsächlich waren nahezu alle lateinamerikanischen Regierungen, die die USA in den vergangenen 65 Jahren erfolgreich gestürzt hat, demokratisch gewählt. Unter den demokratisch gewählten Präsidenten, die abgesetzt wurden, waren Jacobo Arbenz 1954 in Guatemala, Salvador Allende 1973 in Chile, Jean Bertrand Aristide 2004 in Haiti und Manuel Zelaya 2009 in Honduras. Washington attackierte diese Staatsführer mit Wirtschaftssanktionen und Destabilisierungs-Kampagnen, die das wirtschaftliche Chaos und die humanitären Krisen verursachten, die man als Rechtfertigung für eine militärische Lösung benötigte.

Der gemeinsame Nenner in all diesen Fällen hatte nichts mit Demokratie oder Menschenrechten zu tun; vielmehr war es die Tatsache, dass die gewählten Regierungen die Dreistigkeit besaßen, US-Interessen in der Region infrage zu stellen. Dass eine lateinamerikanische Regierung die Interessen seiner eigenen Bevölkerung über die Bedürfnisse der USA stellen könnte, ist in Washington inakzeptabel.

Diese Haltung wurde von CIA-Direktor George Tenet während einer Anhörung vor dem Geheimdienstausschuss des Senats im Februar 2002 zur Schau gestellt, als er arrogant behauptete, Venezuelas Präsident Hugo Chavez „liegen möglicherweise nicht die Interessen der USA am Herzen“. Zwei Monate später unterstützte Washington einen Militärputsch, der darauf abzielte, den venezolanischen Präsidenten zu entmachten.

Der gescheiterte Militärputsch war der erste große US-gestützte Versuch, Präsident Chavez nach seinem Wahlsieg im Jahr 1998 zu stürzen.

 » Lees verder