die-flirt-diktatur

12-12-18 10:14:00,

Anfangs hatten die Diskussionen um #MeToo ja durchaus ein berechtigtes Motiv. Wenn jemand seine berufliche Position benutzt, um einen anderen Menschen sexuell in die Enge zu treiben, dann ist das aller Skandalisierung wert. Dass dann andere Geschädigte nachlegen und sagen, dass es sie auch erwischt hat, ganz so wie manche Schauspielerin im Büro eines Hollywood-Produzenten, kann man aus emanzipativer Warte heraus nur begrüßen.

Problematisch wurde jedoch im Laufe der letzten Monate, dass sich unter diesem Label sukzessive nicht nur Geschädigte nach ursprünglicher Maßgabe zu Wort meldeten, sondern auch „Geschädigte“, die maßlos übertrieben und selbst einen doofen Männerblick am Einkaufsregal oder einen traurigen Flirt als Ausdruck des patriarchalen Ungeistes kategorisierten.

Im Laufe der Debatte um #MeToo kristallisierte sich heraus, dass es nicht mehr nur um kriminelle Handlungen wie erzwungenen Sex oder um antiquierte Attributierungen im Hinblick auf die Frau geht: Nach und nach verabredete man sich unter dem Hashtag zu einer großen Abrechnung mit der Männerwelt.

Über manche Story, die da kurz und prägnant über das Unrecht berichtete, staunte man nicht schlecht. Zum Beispiel der Versuch eines interessierten Mannes, sich einer Frau im Gespräch zu nähern: Es ist auch dann nicht gleich sexistisch, nur weil der Typ schlechte Zähne und klebriges Haar hat. Man kann ja ablehnen — und viele der dortigen Anklagen legten ja auch dar, dass die Galane mehr oder weniger schnell abließen. Der Flirt mauserte sich in diesem Diskurs allerdings mehr und mehr zu einem sexistischen Moment.

Neulich fiel mir eine E-Mail in die Hände. Sie wurde eigentlich an Frankfurter Studentinnen und Studenten versandt. Darin geht es um einen angebotenen Workshop zum Flirten.

Flirt sei „ein Wort, welches nicht unbedingt positive Gedanken und Gefühle hervorbringt“, legt man in der Benachrichtigung los. Das wolle der Workshop ändern. Es gehe nämlich darum, „dass sich die andere Person auch wohlfühlt“, dass man „dabei diskriminierende, einengende Stereotype“ vermeidet. Man möchte sich dem „Konsens-Prinzip (Zustimmungskonzept / sexual consent) nähern“ und so eine angenehme Flirt-Atmosphäre möglich machen.

Kommen können Frauen wie Männer. Geleitet wird der Workshop von Blu, „Bildungsreferent_in (mit) Abschluss als Social Justice und Diversity Trainer_in“. Kurz und gut, das Flirten soll hier in einen geschützten Raum überführt werden, wo man lernt, nicht anzuecken und gefällig zu sein.

Dem Ansatz liegt ein fatales Fehlurteil zugrunde: Dass das Flirten nämlich eine Tätigkeit zwischen Geschlechtern sei,

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