der-atompoker

15-12-18 04:24:00,

Als Präsident Donald Trumps Nationaler Sicherheitsberater, der Hardliner John Bolton, während eines Moskaubesuchs Ende Oktober erklärte, dass „da draußen eine neue strategische Realität” existiere, gab er im gleichen Atemzug bekannt, dass sich die Vereinigten Staaten aus dem einunddreißig Jahre alten INF-Vertrag, einem bilateralen Abkommen zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion über nukleare Mittelstreckensysteme (Intermediate Range Nuclear Forces; Anmerkung des Übersetzers), zurückziehen würden. „Es handelt sich dabei um einen bilateralen Vertrag des Kalten Krieges in einer multipolaren Welt ballistischer Raketensysteme.”, so Bolton.

“Wir Amerikaner sind der Ansicht, dass die Russen den Vertrag verletzen”, sagte Bolton auf einer Pressekonferenz im Anschluss an ein neunzigminütiges Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin. “Die Russen behaupten jedoch, dass sie das nicht tun. Also müssen wir uns fragen, wie wir die Russen bitten können, sich an einen Vertrag zu verhalten, den sie, wie sie sagen, gar nicht verletzen.”

Bolton verschwieg allerdings, dass die Russen die Amerikaner gebeten hatten, Beweise für ihre angebliche Nichteinhaltung des Vertrags vorzulegen, was letztere bislang jedoch noch nicht getan haben. “Die Amerikaner haben bis jetzt keinen einzigen Beweis geliefert, um ihre Anschuldigungen zu untermauern”, erklärte ein Sprecher des Kreml letzten Dezember, nachdem eine US-Delegation die NATO darüber informiert hatte. “Sie können diese Beweise auch gar nicht erbringen, weil es diese nämlich nicht gibt.”

Bolton spiegelt mit seiner Aussage letztendlich nur ein früheres Statement von Trump wider, als jener sagte: “Ich werde den Vertrag aufkündigen, da [die Russen] die Abmachungen verletzt haben.” Als Trump gefragt wurde, ob dieser Kommentar als eine Drohung gegenüber Putin verstanden werden könne, meinte er: “Sie können das als eine Drohung gegenüber wem Sie wollen auffassen. Dazu gehören sowohl China als auch Russland und überhaupt jeder, der denkt, er könne uns an der Nase herumführen. Das werden wir nämlich nicht erlauben. Ich lasse mich doch nicht reinlegen.”

Es hat also ganz den Anschein, als hätte sich Trump John Boltons Philosophie der Unterbindung jeglicher Waffenkontrollen unterworfen. In Boltons augen dienen derlei Abkommen lediglich dazu, Amerikas Macht zu beschneiden. Immerhin war Bolton schon im Jahre 2001 mitverantwortlich für Präsident George W. Bushs Aufkündigung des ABM-Vertrags von 1972, was die Russen damals als einen Akt der Destabilisierung betrachteten. Indem Trump jetzt die Chinesen mit ins Spiel bringt, die ja 1987 den INF-Vertrag nicht mit unterzeichnet hatten, sieht es ganz danach aus,

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