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17-12-18 02:56:00,

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Ein Kommentar von Susan Bonath.

Liebe Bonath-Hasser,

danke, dass ihr regelmäßig eure Freizeit opfert, um mir euren Hass zu erklären. Hin und wieder überfliege ich eure Kommentare sogar. Das ist langweilig, denn ihr schreibt immer dasselbe. Viele beleidigen ganz ohne Argumente, andere schieben mir Dinge unter, die offenbar nur in ihrem eigenen Kopf passieren. Manche wünschen mich in die Obdachlosigkeit zum Flaschensammeln, andere einen „Ausländer“ herbei, der mich „zu Tode vergewaltigen“ möge. Das spricht nun selbst für den Charakter des Schreibers. Ich werde hier mal nur auf eins eingehen: Den Vorwurf, ich sei eine böse Spalterin – und zwar in rechts und links.

Klären wir zunächst Grundlegendes: Rechts will die gesellschaftlichen Verhältnisse der Ungleichheit durch Unterdrückung bewahren, links will sie aufheben. Ich erinnere an den Kampfspruch der Linken in Frankreich zur Zeit der Revolution: „Liberté, Egalité, Fraternitè“ – zu deutsch: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“. Die Ziele von rechts und links sind also völlig konträr.

Wie wir heute wissen, hat es damit in Frankreich nicht ganz geklappt. Doch immerhin erreichte man am Ende eins: Die herrschende gewährte der unterdrückten Klasse erstmals bürgerliche Rechte. Wenn auch vor allem auf dem Papier. Denn wer nichts hat, hat keine Macht. Und wer was hat, errichtet den Staat und nutzt ihn als sein Instrument. Willkommen in der bürgerlichen Parlamentsdemokratie.

Diese Demokratie ist für die besitzende Klasse besonders praktisch. Sorgt sie doch dafür, dass die Lohnabhängigen ganz freiwillig im Hamsterrad laufen. Das spart jede Menge Kosten. Denn eine reine Gewaltherrschaft ist wahnsinnig teuer und aufwändig.

Liebe Bonath-Hasser, was mir immer wieder auffällt: Viele von euch haben den ungarischen Staatschef Viktor Orban sehr lieb. Denn Orban geißelt den Migrationspakt und geht sehr repressiv mit Flüchtlingen, euren Lieblingsfeinden, um. Orban sei nämlich nicht so „neoliberal“, wie Merkel. Und das sei gut, findet ihr.

Nun stellt euch einmal Folgendes vor: Ihr lebt in einem Land, wo ihr für umgerechnet 418 Euro pro Monat arbeiten müsst – brutto. Dabei ist die Miete fast so hoch wie in Deutschland. 418 Euro, das ist der Mindestlohn. Vor vier Jahren betrug er noch 445 Euro,

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