das-kind-achten

18-12-18 03:50:00,

Sei lieb, sei gut, sei still, mach schneller, stell dich nicht so an, das bildest du dir nur ein — seit jeher scheint unsere Erziehung darauf ausgerichtet zu sein, aus uns etwas anderes zu machen als das, was wir sind. Kaum sind wir auf der Welt und kaum ist die Perfektion des neugeborenen Körpers bewundert worden, da geht es auch schon los mit dem Ernst des Lebens.

Wenn die kleinen Füßchen, Fingerchen und Wimpern, die die Natur hat wachsen lassen, zu Genüge bestaunt worden sind, wird versucht, sie zurechtzubiegen. Man möchte, dass einmal etwas aus uns wird. Entsprechend der Wünsche, Sehnsüchte und Ängste derer, die uns auf dieser Welt empfangen, zupft und stutzt man an uns herum und versucht, uns zu etwas zu machen, was wir ursprünglich nicht sind.

In dem Bestreben, dem Ideal der Familie und der Gesellschaft, in die wir hineingeboren wurden, Genüge zu tun, sollen wir in eine bestimmte Richtung wachsen. Wir sollen Vater, Mutter, Verwandten, Lehrern und Institutionen zu Freude und Nutzen gedeihen und werden dazu angehalten, die Vorgaben, die man uns auferlegt, zu achten. Von kleinst an werden wir entsprechend gefördert und in die Arenen einer auf Konkurrenzkampf basierenden Gesellschaft geschickt, die aus jedem von uns das herauszupressen versucht, was ihr dienlich ist.

Obwohl im Gegensatz zu früheren Zeiten Kindern heute zugestanden wird, Gefühle und Rechte zu haben, ignorieren und missachten wir heute wie früher die Sensibilität und die Weisheit, die in den kleinen, unverfälschten Wesen steckt, ihren Sinn für Zusammenhängendes und Wesentliches.

Wenn wir an ihnen herumerziehen, denken wir nicht daran, dass in ihnen schon alles vorhanden ist, was sie zum Heranwachsen brauchen. Alles, was sie benötigen, ist eine liebevolle und unterstützende Begleitung ihres Wachstumsprozesses, um sich so unverfälscht wie möglich entfalten zu können. Wie eine Blume wird ein Mensch nicht schöner und besser dadurch, dass man an ihm herumzieht, dreht und schneidet.

Weihnachten ist eine Gelegenheit, vor dem Kind in die Knie zu gehen und sich erneut zu beugen vor dem Wunder der Geburt und der Perfektion des Lebendigen. Denn nur, wenn wir dem Kind mit Respekt begegnen, wird es uns gelingen, eine Gesellschaft ins Leben zu rufen, in der Harmonie, Freude und Liebe herrschen.

Nehmen wir das Kind in den Arm: das Kind in der Weihnachtsstube und das Kind,

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