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08-01-19 12:59:00,

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Ein Kommentar von Mathias Bröckers.

Als vor Weihnachten herauskam, dass der “Spiegel” jahrelang Fake-Reportagen veröffentlicht hatte,  kam das dem unterirdischen “Bild”-Zeitungs-Lyriker Wagner vor, “als würde es von unten nach oben regnen. Nein schlimmer. Es ist, als hätten Paparazzi den Papst im Bordell erwischt.” Und er fügt hinzu: “Ich kannte Rudolf Augstein. Er hätte den Laden dicht gemacht.”

Ich kannte den  Spiegel-Gründer zwar nicht, aber einige seiner leitenden Redakteure – und die wären, soviel ist sicher, als Verantwortliche oder Beteiligte einer solchen Fälschungsserie sofort gefeuert worden. Und es wäre ein Verdikt von Rudolf ergangen, dass diese magazinigen, gefühligen Reportagen mit Human-Touch-Getue und Real-Life-Suggestionen, all diese “Große Reportage”-Prosa mit ihren szenischen Textbausteinen aus dem Creative-Writing-Workshop, in einem “Nachrichtenmagazin” absolut nichts zu suchen haben. Sie haben ihre Berechtigung auf den Vergnügungsdampfern der Unterhaltungsindustrie, aber nicht in einem dem Journalismus verpflichteten Presseorgan mit dem Motto: “Sagen, was ist.”

Dass Spiegel-Artikel zu Augsteins Zeiten nur in Ausnahmefällen namentlich gekennzeichnet waren, hatte ja durchaus sein Gutes: Verhinderte Schriftsteller und Prosaisten konnten sich nicht spreizen, die berichteten Tatsachen, die Nachricht, stand im Vordergrund. Und die Qualität der Beiträge wurde nicht in Journalistenpreisen gemessen, sondern an dem, was sie politisch, juristisch oder sonst wie ins Rollen brachten.

Diese Zeiten sind lange vorbei und am wenigsten kann man das dem nunmehr geächteten Jungstar am Reporterhimmel Claas Relotius vorwerfen, denn der phantasiebegabte Autor hat einfach nur geliefert, was seine Oberen verlangten und in ihren Spin passte. Keine Nachrichten, sondern Stimmungsbilder – und wenn die Stimmung stimmt, kommt es auf Fakten nicht mehr wirklich an. Wenn dann das, “was ist”, zum Beispiel die stinknormalen Trump-Wähler einer Kleinstadt in Minnesota, den gewünschten Spin nicht hergibt, dann erfindet der kreative Schreiber eben ein finsteres Nest waffentragender Dumpfbacken. Und wenn das Narrativ stimmt, sind die Fakten zweitrangig und der Schwurbel kommt prominent ins Blatt.

Als ich 2004 einmal in einer Fernsehsendung mit zwei “Spiegel”-Redakteuren über 9/11 diskutiert hatte und wir danach bei einem Kaffee noch plauderten, meinten sie, dass sie einiges in meinen Büchern ja auch richtig gut fänden – zuvor in der Sendung hatten sie mir “Verschwörungstheorien” und “schlechte Recherche” vorgeworfen – nur dass ich ihre Zeitschrift immer als “ehemaliges Nachrichtenmagazin” bezeichne,

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