Streitfall: Militärische Forschung an deutschen Unis

streitfall-militarische-forschung-an-deutschen-unis

11-01-19 04:45:00,

Zu Wochenbeginn berichteten wir über den Aufbau einer deutschen Zelle des britischen Propaganda-Programms „Integrity Initiative“, das maßgeblich vom britischen Außenministerium und der NATO finanziert wird und die öffentliche Diskussion pro NATO, pro Militär und vor allem gegen Russland beeinflussen soll. Dieser Bericht blieb nicht unbeachtet. Der Leiter der Kieler Instituts für Sicherheitspolitik (ISPK) – der ebenfalls zum Umfeld der Integrity Initiative zählt – nahm einen verbalen Rundumschlag vor – unser Artikel sei demnach eine „russische Desinformationskampagne gegen ein wissenschaftliches Projekt zur Analyse russischer Desinformationspolitik“. Außerdem sei sein Institut weder direkt noch indirekt vom Verteidigungsministerium oder der Rüstungsindustrie finanziert. Absurd. Von Jens Berger.

Joachim Krause

Für Prof. Dr. Joachim Krause ist die Sache klar: „Russische Nachrichtenagenturen und sogenannte kritische Wissenschaftler vor allem aus Großbritannien, darunter einschlägig bekannte Verschwörungstheoretiker“, seien es, die es auf ihn und die Integrity Initiative abgesehen hätten. Aber auch in Deutschland würden „Personen aus der politischen Linken, die meist der Bewegung ´Aufstehen´ von Sarah Wagenknecht nahestehen“ an dieser „Desinformationskampagne“ mitwirken, so Krause. Insbesondere ginge es dabei neben „russischen Nachrichtenagenturen“ um „die einschlägig bekannten, sehr weit links stehenden Webseiten NachDenkSeiten und Telepolis“. – Offenbar hat der Kieler „Politikwissenschaftler“ so seine Probleme mit Kritik. Kritiker der NATO und insbesondere Kritiker seines Instituts und dessen Drittmittel-Zuwendungen aus dem militärischen Sektor verortet Krause schon immer mehr oder weniger wortgewaltig „im linken und vor allem linksextremen“ Umfeld.

Mit vielen Worten und wenig Inhalten arbeitet sich Krause auch an „einem gewissen Jens Berger“ ab, der „erwecke“ – so Krause – „den Eindruck intimster Kenntnisse der Finanzierung des ISPK, schreibt aber nur Unsinn, denn das ISPK [werde] weder vom Verteidigungsministerium noch von der Rüstungsindustrie direkt oder indirekt finanziert, sondern einzig von der unabhängigen und gemeinnützigen Wissenschaftsstiftung ´Wissenschaft und Demokratie´, was auch völlig transparent gemacht [werde]“. – Das ist eine erstaunliche Aussage, wenn man bedenkt, dass es niemand anderes als Joachim Krause war, der vor rund fünf Jahren als Lautsprecher der Gegner einer Zivilklausel an deutschen Universitäten eben jene Drittmittel aus dem Verteidigungshaushalt und der Rüstungsindustrie mit Zähnen und Klauen verteidigt hat. Sogar der SPIEGEL berichtete damals über diesen Fall und schrieb – übereinstimmend mit zahlreichen anderen Quellen –, dass die Christian-Albrechts-Universität Kiel (CAU) zwischen 2005 und 2012 2,7 Millionen Euro vom Bundesverteidigungsministerium und der NATO erhalten habe und diese Gelder zu großen Teilen an eben jenes ISPK flossen,

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: