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12-01-19 01:53:00,

Der US-Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb, die Johns-Hopkins-Universität und die Rockefeller-Stiftung müssen sich nun doch vor Gericht verantworten. Sie waren an Experimenten beteiligt, die zwischen 1946 und 1948 mit Finanzierung und Unterstützung durch die US-Regierung an hunderten Menschen in Guatemala vorgenommen wurden.

Westliche Propaganda ist deshalb so wirkungsvoll, weil sie auf die menschliche Eigenart des Vergessens und Verdrängens setzt. Mit Reizüberflutung durch abseitiges und oberflächliches Geplätscher werden unangenehme Themen relativ schnell aus dem Blickpunkt des öffentlichen Interesses manövriert. Das gilt insbesondere für eigenes Fehlverhalten westlicher Eliten.

Westliche Propaganda ist auch deshalb so wirkungsvoll, weil sie zusätzlich mit den Totschlagsargumenten „Verschwörungstheorie“, „Fakenews“, „Filterblase“ oder „Whataboutism“ zuverlässig kritische Berichterstattung denunzieren kann.

Westliche Propaganda ist schließlich, aber nicht zuletzt auch deshalb so wirkungsvoll, weil es gar keiner staatlichen Zensur bedarf. Denn viele, jedenfalls die meisten maßgeblichen Journalistinnen und Journalisten in den wichtigsten öffentlich-rechtlichen und privaten Medien denken genauso wie die Propagandisten im Regierungsauftrag, haben also zum Teil über Jahre zementierte Feindbilder und Vorurteile beziehungsweise Scheren im Kopf. Wobei sie natürlich empört und angewidert zurückweisen würden, sich in einer Filterblase zu bewegen. Das tun immer nur die kritischen Nutzer ihrer Medienangebote oder lästige Konkurrenz.

Gerichtsurteil hilft, Taktik des Verschweigens und Vertuschens zu durchbrechen

Deshalb kann die Entscheidung von Bundesrichter Theodore Chuang im US-Bundesstaat Maryland gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Durch sein Urteil vom 3. Januar 2019 wird nun, nach immerhin 70 Jahren, endlich der Weg frei, wenigstens einen Teil der Verantwortlichen für abscheuliche, vom Staat geförderte und gedeckte Menschenversuche vor Gericht zu bringen. Durch den nun bevorstehenden Prozess ist der Versuch gescheitert, den bereits erwähnten Mantel des Vergessens und Verschweigens auszubreiten. Nicht nur über diesen Skandal, sondern über weitere, ähnlich gelagerte Skandale, die längst wieder aus den Schlagzeilen verschwunden waren, was die US-Regierung am meisten ärgert. Der Vorgang ist aber vor allem auch ein weiterer Beweis dafür, dass Vorsicht geboten ist, wenn ausgerechnet eine US-Regierung mit der Totschlagskeule der Verschwörungstheorie um sich schlägt.

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AP Photo / Hein Ducklau

Nicht zuletzt ist der Weg aber nun endlich frei für die 774 Kläger, die Überlebende und Angehörige der durch die Experimente Getöteten repräsentieren, die mit ihrer Klage neben Genugtuung auch eine materielle Entschädigung für jahrzehntelange Leiden und unwiderruflich zerstörte Biographien erhalten wollen. Auch wenn nicht die eigentlich verantwortliche US-Regierung stellvertretend für die inzwischen längst verstorbenen seinerzeitigen Politiker vor Gericht steht,

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