Nach den «Gelben Westen» kommen die «Roten Stifte»

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17-01-19 09:05:00,

Die Lehrkräfte von Frankreich haben genug: Sie vernetzen sich und bemängeln ihre Arbeitsbedingungen

Tobias Tscherrig / 17. Jan 2019 –

Über 60’000 französische Lehrpersonen vernetzen sich in der Gruppe der «Roten Stifte» und verleihen ihren Forderungen Gewicht.

Die Bewegung der «Gelben Westen» ist – trotz ihrer Pluralität und der damit einhergehenden Uneinigkeit, Führungskämpfen, Gewaltausbrüchen auf den Strassen und Unterwanderungsversuchen von Ultra-Rechten – eine Erfolgsgeschichte: Sie wuchs im Internet und schaffte es, unzählige Französinnen und Franzosen zu vereinen. Die «Gelben Westen» wurden schon bald zur Massenbewegung, sie zwangen Präsident Emmanuel Macron zu verschiedenen Zugeständnissen. Dass die Proteste nicht von Parteien oder Gewerkschaften ausgingen, sondern quer über jegliche Grenzen hinweg zu mobilisieren vermochte, ist eine weitere Besonderheit.

Dieses Erfolgsmodell wird seit fast einem Monat von Frankreichs Lehrkräften kopiert. Unter dem Namen «Rote Stifte» haben sich auf Facebook bereits über 60’000 der total 881’000 Lehrpersonen zusammengeschlossen. Wie die «Gelben Westen» geht es den «Roten Stiften» um ihre Kaufkraft. Weiter fordern sie von ihrem Arbeitgeber, dem französischen Staat, besseren Schutz und die Berücksichtigung ihrer Probleme. Denn die Lehrer sehen rot: Sie alle geben an, ihren Beruf zu lieben, allerdings verspüren sie auch ein «anhaltendes Unbehagen».

Lehrer wollen mehr Kaufkraft

Die Bewegung der «Roten Stifte» wurde am 12. Dezember von Cyrill, einem Professor für Geschichte und Geographie, ins Leben gerufen – nachdem er sich im Internet von den «Gelben Westen» hatte inspirieren lassen. Wie der französische Bildungsminister Jean-Michel Blanquer wolle man die «Schule von morgen» schreiben, sagt Cyrill gegenüber «mediapart». Dazu seien aber Korrekturen notwendig.

Obwohl die verschiedenen Mitglieder der «Roten Stifte» komplett unterschiedliche Laufbahnen und Werdegänge hinter sich hätten, würden sie alle die gleichen Beobachtungen und Erfahrungen machen. Auf «mediapart» fasst Cyrill die wichtigsten Forderungen in groben Zügen zusammen: «Wir wollen die Dinge ändern, wir haben unsere Arbeitsbedingungen satt.» Die Lehrpersonen fordern unter anderem eine Lohnerhöhung in Höhe ihrer tatsächlichen Arbeitszeit und die Erhöhung ihrer Kaufkraft. Nicht nur für die Lehrpersonen, sondern auch für Schulassistenten, Schulpsychologen und für Begleitpersonen von Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen.

In Frankreich gelten Lehrpersonen als die am schlechtesten bezahlten Beamten. Zum einen würden die Ausgaben stetig steigen,

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