Zu viele offene Fragen zum Credit Suisse-Mosambik-Skandal (1)

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17-01-19 08:58:00,

Thomas Kesselring

Thomas Kesselring / 17. Jan 2019 –

Wahrscheinlich über eine Milliarde Dollar veruntreut. Die Ärmsten im ohnehin armen Land spüren die Folgen am eigenen Leib.

Red. In einem ersten Teil informierte Professor Thomas Kesselring über den Inhalt der US-Anklageschrift gegen Manager der Credit Suisse und andere Angeklagte im Mosambik-Skandal. In diesem zweiten Teil stellt Kesselring eine Reihe wichtiger Fragen zusammen, die ungeklärt sind. Er zeigt auch Folgen für die mosambikanische Bevölkerung auf.

Offene Fragen:

  1. Die New Yorker Anklageschrift bezieht sich auf eine Deliktsumme von 200 Millionen Dollar. Wie im ersten Teil ausgeführt, ist dies lediglich ein Sechstel der Gelder, über deren Verwendung der Untersuchungsbericht Kroll nichts aussagen konnte. Was verbirgt sich unterhalb der Spitze des Eisbergs?
  2. Die Frage, ob der CS-Mosambik-Deal auch zur Anschaffung von Waffen im damals – 2013 und 2014 – wieder aufgeflammten Krieg zwischen Frelimo und Renamo benutzt wurde, wie manche Medien in Mosambik langezeit vermuteten, bleibt weiterhin offen. Sie ist weder in der New Yorker Anklageschrift noch im Kroll-Bericht thematisiert. Aber damit ist sie noch nicht unbedingt vom Tisch.
    Tatsache ist, dass die drei halbprivaten mosambikanischen Firmen, die als Nutzniesser der Kredite firmierten, dem Verteidigungsministerium und dem Geheimdienst unterstanden. Hinweise auf eine mögliche militärische Zielsetzung der Kredite gab anlässlich der Anhörung einer Enquête-Kommission im mosambikanischen Parlament am 9. Dezember 2016 António de Rosario (Chef der mosambikanischen Firma, die die Schiffe bauen liess und betreiben sollte): Er sagte aus, die Projekte dienten ausschliesslich der Verteidigung und dem Schutz der mosambikanischen Küsten. De Rosario hatte anscheinend mit den Banken verhandelt und wollte ursprünglich 2 Milliarden Dollar, was ihm nicht auf Anhieb gelang und zur Stückelung in drei Kredite führte. Der Ematum-Kredit sollte, was mit Proindicus beabsichtigt war, aber nicht realisiert werden konnte (Küstenschutz, Verteidigung), „ergänzen, erweitern und verstärken“.
    Die Ausgabe von Bonds durch die CS für den Ematum-Kredit habe die mosambikanischen Geheimhaltungspläne durchkreuzt: „Wir konnten natürlich nicht hingehen und den Banken oder sonst jemandem sagen, dass die Fischerei nicht die Hauptsache war, dass sie für uns auch nicht der ursprüngliche Zweck, sondern lediglich eine Ergänzung war. (…). Nun mussten wir eine andere Firma von Null auf gründen“ – die Fischerei-Firma Ematum [Empresa moçambicana de Atum] (“Of course we could not go and tell either the banks or anyone else that fishing was not the main part;

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