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24-01-19 02:10:00,

TVP-Zentrale in Warschau. Bild: Adrian Grycuk/CC BY-SA-3.0

Polen kommt nach dem Mord an dem Danziger Bürgermeister Pawel Adamowicz nicht zur Ruhe. Weiterhin wird über die Rolles des Staatsfernsehens TVP gestritten

Der kürzlich auf offener Bühne ermordete Pawel Adamowicz war von dem Sender, der stark durch die Regierungspartei “Recht und Gerechtigkeit” gesteuert wird, im vergangenen Jahr massiv attackiert worden. Das TVP suggerierte, dass der Politiker dem Nationalsozialismus und dem Kommunismus nahestehe sowie antipolnisch und in Korruptionsaffären verwickelt zu sein. Auch wurde er von einem Danziger TVP-Reporter mit dem Smartphone direkt ins Gesicht gefilmt, als dieser ihm provokante Fragen stellte.

Das Regierungslager geht bei dem 27-jährigen Täter, der Adamowicz auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung niederstach, von einem Geistesgestörten aus, der nicht aus politischen Motiven handelte, und warf der Opposition vor, den Fall zu instrumentalisieren. Nach einer Umfrage sei auf Seiten der Oppositions-Anhänger der Hass weit größer als bei den PiS-Wählern, bei ihnen gäbe es größere Tendenzen, den Gegner im Streit zu dehumanisieren.

Die Diskussion um die Hass-Sprache beantwortet der Sender nun mit dem Gang vor das Gericht. Der Sender beklagt die politische Instrumentalisierung gegen ihn und das Zuschreiben einer “schändlichen Rolle, die nicht wahr ist”.

Unter den ersten vier Anklagten ist auch Adam Bodnar, der Ombudsmann für Menschenrechte, der als einer der wichtigen Kritiker der Regierungspartei “Recht und Gerechtigkeit” (PiS) gilt. Dabei agierte er in seiner Kritik vorsichtig. Er erklärte gegenüber dem Nachrichtenportal Onet, der Täter wäre im Gefängnis vermutlich durch “Hass-Sprache” und dem Schauen von TVP Info (dem staatlichen Nachrichtenkanal) motiviert worden.

“Mein Mann wurde durch das Wort getötet”

Am Mittwoch bekräftigte die Witwe, Magdalena Adamowicz, die Kritik an dem Sender. “Die Hass-Sprache, die Art und Weise wie das gezeigt wurde, beeinflusste den Täter, Pawel als Opfer auszuwählen. Mein Mann wurde durch das Wort getötet.” Zudem sprach sie den Mitarbeitern von TVP ab, Journalisten zu sein, und forderte den Sender auf, sie ebenso zu verklagen.

Der Sender müsste viele verklagen. Auch bei der Trauerfeier am Samstag in der Danziger Marienkirche wurden Klagen laut. “Ihm (Adamowicz) wurden niedrige Motive und Unehrlichkeit vorgeworfen. So haben ihn die sogenannten öffentlich-rechtlichen Medien dargestellt”, sagte der Historiker und Freund des Ermordeten Aleksander Hall.

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