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24-01-19 08:13:00,

Urs P. Gasche / 24. Jan 2019 –

Chirurgen überlassen Patienten mit neuen Hüft- und Kniegelenken meist ihrem Schicksal. Seit 30 Jahren schaut das BAG tatenlos zu.

«Aus den Augen – aus dem Sinn». Nach diesem Motto implantieren die meisten Orthopäden Knie- und Hüftgelenke und verdienen sich dabei eine goldene Nase. Ganz Clevere beteiligen sich an Firmen, welche Implantate herstellen oder profitieren von geldwerten Leistungen, wenn sie ein bestimmtes Fabrikat bevorzugen.

Fast keiner dieser Chirurgen interessiert sich für seine Patientinnen und Patienten, nachdem diese das Spital verlassen haben. Ob und wie sich die Implantate und die gewählte Operationsmethoden nach einem oder nach fünf Jahren bewähren, ist den meisten Chirurgen in der Schweiz offensichtlich egal. Sie lassen nicht kontrollieren, wie beweglich und schmerzfrei ihre Hüft- und Knieoperierte ein bis fünf Jahre nach der Operation sind.

Betroffen sind in der Schweiz viele. Im Jahr 2016 bekamen rund 42’000 Frauen und Männer zum ersten Mal ein neues Knie- oder Hüftgelenk.

Das Ausland ist weit voraus

Zentrale Register, die alle implantierten Hüft- und Knieprothesen erfassen, gibt es in Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland bereits seit den Achtziger- und Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts, in Frankreich seit 2006 und in England seit 2007.

Einführung von Implantatsregistern in europäischen Ländern. Sie erlauben ein Frühwarnsystem. Das teuerste Schweizer Gesundheitssystem ist viele Jahre im Rückstand.

Solche «sehr erfolgreichen» Register seien auch in der Schweiz nötig, erklärte Urs Müller im Jahr 2010 an einer Medienkonferenz des «Instituts für Evaluative Forschung in der Medizin» der Universität Bern und illustrierte den Nutzen: «Wäre schon 1982 bekannt gewesen, dass sich Hüftprothesen aus Titan-Schäften zu früh lockern, hätten bis 4’200 vorzeitige Neu-Operationen verhindert werden können.» Um solche vermeidbaren Komplikationen und Neuoperationen zu vermeiden, forderte Müller obligatorische Nachkontrollen jeweils fünf Jahre nach dem Implantieren eines neuen Hüft- oder Kniegelenks.

Seither sind acht Jahre verflossen. Zwar werden seit fünf Jahren alle eingesetzten Hüft- und Knieimplantate in ein Register namens SIRIS aufgenommen. Doch nach Spitalaustritt erfasst das Register die Patientinnen und Patienten noch heute nicht.

Im Ausland werden solche Register von den Aufsichtsbehörden geführt und nicht in «Eigenverantwortung». Im SIRIS-Stiftungsrat dagegen sitzen Orthopäden, Spitäler, Santésuisse und sogar der Verband der Implantate-Verkäufer.

Das mag mit ein Grund sein,

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