recht-auf-faulheit

25-01-19 09:53:00,

In diesen Tagen machen die Meldungen über die Gelbwesten in Frankreich die Runde. Die einen bestaunen bewundernd, die anderen belächeln kopfschüttelnd jene aufgebrachten Menschen, die jedes Wochenende in für Autofahrer obligatorischen Warnwesten die Straßen unseres Nachbarlandes unsicher machen, den Rücktritt Macrons fordern und eine Verbesserung ihrer Lebenssituation verlangen. Höhere Mindestlöhne, eine Mindestrente, ein Ende der Obdachlosigkeit, eine Senkung der Mieten, das Recht auf Arbeit sind nur einige Forderungen der Gelbwesten.

Doch genau darin schwingt das Problem jeder Massenbewegung mit. Schon lange arbeiten linke Bewegungen daran, winzige Verbesserungen in Teilbereichen des gesellschaftlichen Lebens zu erwirken. So hat sich die Sozialdemokratie bereits vor einem Jahrhundert mit der Form der Herrschaft arrangiert, die durch Geld bestimmt ist, hat das Dogma vom Wirtschaftswachstum übernommen und arbeitet nur daran, mehr Arbeitsplätze zu schaffen und diese mit einem minimalen Lohn zu vergelten. Sie beschränken ihre Forderungen darauf, die Verhältnisse innerhalb des Systems zu „verbessern“. Das herrschende System grundsätzlich in Frage zu stellen, diese Idee verfolgen sie schon lange nicht mehr. Dabei ist es gerade dieses System, das Elend, Armut und Arbeitslosigkeit auf der einen und unbezahlte Überstunden auf der anderen Seite produziert.

Was damit unter den Tisch fällt ist, dass eine Gesellschaft, die auf ewigem Wirtschaftswachstum basiert und die Menschen zwingt, sich einer Arbeit zu unterwerfen, um sich ein Leben zu „verdienen“, auf Dauer nicht funktionieren kann. Eine solche Gesellschaft rechtfertigt nämlich jede Maßnahme, die mit dem Versprechen auf „mehr Arbeitsplätze“ unternommen wird, vollkommen unabhängig davon, welcher Art dieser Arbeitsplatz ist. Ein Arbeitsplatz in der Rüstungsindustrie ist damit ebenso viel wert wie einer in der Krankenpflege und darüber hinaus in der Regel besser bezahlt.

Die Zahl der Arbeitslosen möglichst gering zu halten, gibt jede Regierung als ihr Ziel an. Nach der Bezahlung der Arbeitsplätze wird, wenn überhaupt, nur verhalten gefragt.

So brüstet sich die Bundesregierung regelmäßig damit, in Deutschland würden so viele Menschen arbeiten, dass wir nahe an der Vollbeschäftigung seien. Dass ein großer Teil der Menschen von ihrer Arbeit aber überhaupt nicht leben kann und damit entweder gezwungen ist, zusätzliche Sozialleistungen zu beziehen oder gleich einen zweiten Job anzunehmen, wird dabei geflissentlich verschwiegen.

Mit der Rechtfertigung, Arbeitsplätze schaffen zu wollen, werden Unternehmenssteuern gesenkt, die ansonsten angeblich die Unternehmer abschrecken würden, in Deutschland zu investieren. Es werden immer neue Fabriken aus dem Boden gestampft;

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