Rettet die Artenvielfalt!

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30-01-19 08:51:00,

Die Natur ist eine Wunderkammer vielgestaltigen Lebens. Es zeigt sich in Form Abertausender von Arten: Pilzen, Mikroben, Pflanzen, Würmern, Schnecken, Insekten, Vögeln, Säugetieren — und dem Menschen. Doch während die Spezies Mensch sich immer breiter macht, zieht sich die Vielfalt des restlichen Lebens zurück, weltweit. Und das Tempo, in dem sich dieses Sterben vollzieht, ist beängstigend. Erschreckend stark ist der Artenschwund in den Ländern mit einer intensiven Landwirtschaft und hohem Flächenverbrauch, Ländern wie Deutschland also. Hier hat sich die Menge an Fluginsekten um rund 75 Prozent reduziert im Laufe der vergangenen 30 Jahre — und zwar in Schutzgebieten.

Eine immense Gefahr, denn Insekten bilden das Fundament unseres Ökosystems. Insektenfressende Vögel wie Schwalben und Goldammern, aber auch andere „Allerweltsarten“ wie Spatzen und Feldhasen werden selten, Ackerblumen und Feldhamster sowieso. Wann haben Sie zuletzt Glühwürmchen gesehen oder einen großen Schmetterling?

In Bayern kämpfen aktuell die Organisatoren des Volksbegehrens „Rettet die Artenvielfalt!“ für ein neues Naturschutzgesetz. Der von der Bayern-ÖDP auf den Weg gebrachte Gesetzesentwurf will an den Ursachen des Artensterbens ansetzen. Professor Michael Schrödl, Artenforscher und Leiter der Weichtierabteilung an der renommierten Zoologischen Staatssammlung München unterstützt die direktdemokratische Initiative.

Gespräch mit einem passionierten Artenschützer, den bisweilen ein heiliger Zorn ergreift.

Margerete Moulin: Sie stehen hinter dem Volksbegehren in Bayern, was will es erreichen?

Michael Schrödl: Als Artenforscher und Mensch befürworte ich das Volksbegehren, ja! Ziel ist, ins Parlament ein wirksameres Naturschutzgesetz einzubringen, das an den Ursachen des Artensterbens ansetzt, und die liegen vor allem in der industriellen Landwirtschaft. So soll der Ökolandbau auf 30 Prozent deutlich ausgebaut werden, dafür der Einsatz von Pestiziden massiv zurückgedrängt und mehr Blühwiesen geschaffen.

Verinselte Lebensräume sollen durch grüne Korridore zu einem bayernweiten Biotopverbund vernetzt und Uferstreifen an Gewässern zu Schutzzonen erklärt werden, in denen weder Gülle noch Dünger noch Pestizide ausgebracht werden, damit dies nicht alles im Wasser landet. Aber auch die Staatsforste sollen in naturnahe, artenreiche Wälder umgewandelt werden. Die Umsetzung der Maßnahmen wird überwacht und transparent gemacht. Und, ganz wichtig, Naturschutz wird als Bildungs- und Erziehungsziel festgeschrieben. Das ist dringend nötig, wie ich als Ausbilder von jährlich Hunderten von Studierenden der Biologie berichten kann.

Was bedeutet Artenschwund oder Artensterben genau?

Artensterben funktioniert so: Lebewesen wandern aus oder sterben, wenn die Lebensräume verschwinden und die Umweltbedingungen nicht mehr passen.

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