Fest der Destruktivität

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02-02-19 02:05:00,

Football wird in Deutschland immer beliebter. Innerhalb weniger Jahre erlangte und genießt nun die für viele Europäer doch arg komplizierte Sportart (1) eine immer größere Beliebtheit. Dachte vor wenigen Jahren noch der eine oder andere von etlichen Dosenbieren betörte Fußballfan bei dem Begriff „Football“ schlicht und fälschlicherweise an das englische Wort für „Fußball“, weiß hierzulande mittlerweile fast jeder etwas mit dem Begriff „Super-Bowl“ anzufangen. So wie der aus Europa stammende Fußball global um sich greift, so schwappte unlängst auch der American Football über den Atlantik zu uns herüber (2). Für das Sport-Ereignis der Superlative begeistern sich mittlerweile weltweit etwa 800 Millionen Zuschauer – knapp ein Zehntel der Weltbevölkerung – davon 100 Millionen in den USA (3).

Mit der Begeisterung für diese Sportart wurde für diesen einen Tag im Februar auch der traditionelle American-Football-Lifestyle – oder zumindest ein Abklatsch desselben – nach Europa importiert. Kritischen Zeitgenossen offenbart sich jedoch schon nach einem oberflächlichen Blick: Dieser Lifestyle – ein an sich schon unsägliches Wort – hat das Wort „Life“ in seinem Namen nicht verdient!

Der Super-Bowl-Sonntag wird in den Staaten als eine Art zweiter Nationalfeiertag zelebriert. Ehrlicherweise könnte man ihn getrost als Kapitalfeiertag bezeichnen. Die Werbeindustrie fährt für diesen Tag alle verfügbaren Geschütze auf.

Es ist der Tag, an dem alles kulminiert, was den entfremdeten Menschen der Industrienationen dazu anhalten soll, durch Konsum und Entertainment seine unbefriedigten Bedürfnisse zu bedienen.

Es werden extra Werbespots nur für den Super-Bowl gedreht. Hollywood schneidet für anstehende Kino-Blockbuster Trailer für dieses Ereignis, sogenannte Super-Bowl-Trailer. Wir haben es mit einem Event zu tun, bei dem das, was wir ansonsten zumeist als „nervig“ wahrnehmen – Werbung nämlich – nahezu einen Heiligenstatus erlangt. Neue Götterbotschaften, die dem Lohnsklaven verkünden, was dieser für ein erfülltes Leben zu besitzen, zu konsumieren und für seine Zerstreuung zu rezipieren habe. Neue materielle Laster, die man sich – in den USA zumeist kreditfinanziert – beschaffen müsse und neue Filmstreifen, die man unbedingt sehen müsse, um für wenige Stunden der tristen Realität entfliehen zu können.

Selbstverständlich gibt es den Heiligenstatus für diese 30-Sekunden-Werbespots nicht zum Nulltarif. TV-Werbung ist nie günstig! Doch was Unternehmen es sich kosten lassen müssen, um beim Super-Bowl von der wortwörtlichen Weltöffentlichkeit gesehen zu werden, ist eine alles in den Schatten stellende, astronomisch hohe Summe. Zum Vorab-Vergleich: Hierzulande (Stand 2015) kostet ein 20-sekündiger Werbespot – variabel nach der Jahreszeit – vor den Nachrichten eines Privatsenders 17.000 bis 20.000 Euro.

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