opfer-werden-durch-gewalt-ein-stiller-alptraum

05-02-19 11:34:00,

Ein Appell von Rudolf Hänsel. Der Erziehungswissenschaftler und Psychologe mahnt schon seit längerem an, sich um die Gewalt an Schulen zu kümmern. Seine Mahnungen wurden durch den Selbstmord einer Elfjährigen noch einmal besonders dringlich.

Liebe Eltern und Lehrkräfte, wie lange noch tolerieren Sie die Gewalt an Schulen?

Wie viele Kinder- bzw. Schüler-Selbstmorde verträgt eine Gesellschaft, bevor sich betroffene Eltern und Lehrkräfte dazu aufraffen, das Opferwerden durch Gewalt – diesen „stillen Alptraum“ – nicht mehr zu tolerieren, sondern zu stoppen? Wissen sie nicht, dass von der Politik, den vorgesetzten Schulbehörden wie auch von Eltern- und Lehrerorganisationen keinerlei Unterstützung zu erwarten ist? In Nordnorwegen führten Anfang der 1980er-Jahre drei Schüler-Selbstmorde als Folge schwerer Gewalttätigkeiten durch Gleichaltrige dazu, dass der Psychologe Dan Olweus im Auftrag des norwegischen Erziehungsministeriums im ganzen Land eine Anti-Tyrannisierungs-Kampagne („Antibullying Campaign“) durchführte. Im Laufe von nur zwei Jahren verringerte dieses Interventionsprogramm die unmittelbaren und mittelbaren Gewaltausübungen um 50 Prozent.

Zunehmende Angst und Aggressivität an deutschen Schulen

In meinem Offenen Brief „J‘accuse…!“ an den Bundespräsidenten Dr. Frank-Walter Steinmeier vor genau einem Jahr, in dem ich ihn (ohne Erfolg!) um Unterstützung bat, schrieb ich:

„Die Gewalt in unserem Land nimmt epidemische Ausmaße an. Es vergeht kein Tag, an dem die Medien nicht über Gewalttaten an Schulen berichten. Schwere körperliche Übergriffe, Messer und andere Waffen spielen dabei eine immer größere Rolle. Die Brutalität nimmt zu und zugleich nehmen Hemmschwellen für aggressives Verhalten ab. An vielen Schulen herrscht ein Klima der Angst und Aggressivität. (…).

Die Not der Lehrerinnen und Lehrer ist inzwischen so groß, dass sie für ihre Schulen Sicherheitsdienste einstellen und sich in Brand-Briefen Hilfe suchend an die Öffentlichkeit wenden. Doch sie werden in der Regel im Stich gelassen. Wenn es uns nicht gelingt, diese Gewalt zu stoppen, wird sie sich weiter ausbreiten und nur noch schwer einzudämmen sein.“  [1]

Am 18. Dezember 2018 befasste sich auch die ARD-Sendung „Report Mainz“ mit dem Thema „Kinder brutal: die zunehmende Gewalt von Minderjährigen überfordert Schule“. Berichtet wurde vom „Tatort Schule“, von einer „beunruhigenden Statistik“ sowie von einem „dramatischen Anstieg“ und einem „neuen Ausmaß schwerer und gefährlicher Körperverletzungen“ unter Schulkindern.

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