Der ewige Zankapfel

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09-02-19 09:26:00,

Im März 1854 erklärten Großbritannien und Frankreich dem Russischen Reich den Krieg. Der folgende militärische Konflikt, der als Krimkrieg in die Geschichte einging, ist im Westen inzwischen fast völlig vergessen. Obwohl er doch mit seinen hunderttausenden Todesopfern (1) der verlustreichste Krieg zwischen 1815 und 1914 war und wegen vieler technischer Neuerungen als erster „moderner Krieg“ gilt.

In Russland erinnert man sich des Krimkriegs als eine von mehreren westlichen Invasionen, die im Gegensatz zu den anderen — in den Jahren 1812, 1918 und 1941 — zwar zu einer russischen Niederlage führte, aber gleichzeitig auch patriotischen Stolz auf den zähen Verteidigungskampf Sewastopols hervorbrachte (2). Fast vergessen ist jedoch überall, wie Akteure der westlichen Öffentlichkeit — vor allem die britische Presse — damals für den Krieg trommelten und ihr blutiges Ziel schließlich erreichten.

Ein kurzer Blick auf den Ablauf des Krieges: Im Streit über den Vertretungsanspruch der Christen im Heiligen Land, das damals unter osmanischer Herrschaft stand, hatte der russische Zar Nikolaus I. im Juli 1853 die Fürstentümer Moldau und Walachei, zwei osmanische Vasallenstaaten, besetzen lassen. Mit britischer Rückendeckung erklärte das Osmanische Reich daraufhin Russland den Krieg. Es war bereits der neunte russisch-türkische Krieg. 1854 traten Großbritannien und Frankreich auf osmanischer Seite in den Krieg ein. Später schlossen sich noch italienische Truppen aus Sardinien-Piemont an (3).

Nachdem der Zar seine Truppen aus den Fürstentümern zurückgezogen hatte, entschieden sich die Westmächte zur Invasion der Krim. Die Segelschiffe der russischen Schwarzmeerflotte hatten keine Chance gegen die dampfgetriebenen, teilweise schon gepanzerten Schlachtschiffe der Alliierten. Die russische Marine versenkte ihre eigenen Schiffe vor Sewastopol und blockierte damit die Hafeneinfahrt für den Feind. Auf der Krim besiegten die britisch-französisch-türkischen Invasionstruppen — heute übrigens allesamt NATO-Mitglieder — in mehreren Feldschlachten die russische Armee. Zudem belagerten sie die Garnisonstadt Sewastopol, bis diese, nach einem Jahr sturmreif geschossen, kapitulierte. Anfang 1856 schlossen die Kriegsparteien den Frieden von Paris. Russland musste die Krim und seine gesamte Schwarzmeerküste entmilitarisieren.

Nicht nur wegen des Einsatzes von Schnellfeuergewehren, Dampfschiffen, Eisenbahnen und des massiven Trommelfeuers auf Sewastopol (4) gilt der Krimkrieg als erster militärischer Konflikt der Moderne. Auch die damals neuen Technologien der Telegrafie und Fotografie wurden eingesetzt. Medien in Frankreich und vor allem Großbritannien erzeugten massive öffentliche Aufmerksamkeit für den Krieg und wurden zu einem politischen Machtfaktor.

Große britische Zeitungen schickten Kriegsberichterstatter auf die Krim.

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