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11-02-19 07:32:00,

Laut Medienberichten hat NATO-Generalsekretär Stoltenberg erklärt, den INF-Vertrag doch noch retten zu wollen. Er wolle mehr Partner in den Vertrag einbeziehen. „Nachdenkseiten“-Gastautor Dr. Leo Ensel ermuntert Stoltenberg, auf diesem Wege mutig und entschlossen weiterzugehen. Von Leo Ensel.

Leo Ensel

Sehr geehrter Herr Generalsekretär,

Sie werden sich sicher wundern, ausgerechnet über die „Nachdenkseiten“ einen Brief zu erhalten, der, das wird Sie vielleicht verblüffen, weder Fake News, noch Finte und schon gar kein vorgezogener Aprilscherz ist. Nein, dieser Brief ist vollkommen ernst gemeint!

Wir sind bezogen auf die aktuell sehr zugespitzte Situation zwischen Russland, den USA und der NATO sehr wahrscheinlich in einer ganzen Reihe von Punkten unterschiedlicher Meinung. Vor allem, was die sogenannte „Schuldfrage“ betrifft, die Frage also, wer dafür verantwortlich ist, dass beide Seiten, Russland und der Westen, sich gegenwärtig in dieser scheinbar aussichtslosen Sackgasse befinden. Aber die Situation ist zu ernst und die verbleibende kurze Zeit zu kostbar, um sie mit wechselseitigen Blame Games zu vergeuden!

Sie wissen genauso gut wie ich, was die von allen Seiten auf unserem Globus angehäuften 16.000 Atombomben im Ernstfalle anrichten könnten und es ist Ihnen bekannt, dass die endgültige Kündigung des INF-Vertrages ein ungehemmtes Wettrüsten in mehreren Weltregionen zugleich zur Folge hätte, das – zumal bei drastisch verkürzten Vorwarnzeiten und extrem zielgenauen, immer schwerer zu ortenden Trägersystemen – keiner Seite mehr Sicherheit bringen, sondern statt dessen die Büchse der Pandora öffnen würde, mit unabsehbaren Folgen für den gesamten Planeten.

Wenn ich Ihnen heute schreibe, dann weil letzten Donnerstag in den deutschen Medien eine Meldung kursierte, die mich – und vermutlich viele andere Menschen in Deutschland – etwas erleichterter, genauer: ein klein wenig weniger verzweifelt gestimmt hat. Demnach scheinen Sie den INF-Vertrag doch noch nicht aufgegeben zu haben. Laut Spiegel Online vom 7. Februar diesen Jahres sollen Sie angekündigt[1] haben, die NATO werde eigene Initiativen prüfen, um den INF-Vertrag zu erhalten und die Rüstungskontrolle zu stärken. (Hervorhebungen von mir.) „Russland habe mehrmals beklagt, dass Länder wie China, Indien, Pakistan oder Iran Mittelstreckenraketen entwickelt und stationiert hätten, die ihm selbst verboten seien,“ sollen Sie der Funke-Mediengruppe gesagt haben. Das sei keine Entschuldigung für Vertragsverletzungen. „Im Gegenteil. Es muss Anlass sein, diesen Abrüstungsvertrag zu stärken und mehr Partner einzubeziehen.

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